Zum Inhalt wechseln


Foto

Karen Joy Fowler/John Joseph Adams (ed.): The Best American Science Fiction and Fantasy 2016


  • Bitte melde dich an um zu Antworten
Keine Antworten in diesem Thema

#1 Armin

Armin

    Entheetonaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 12418 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Rauenberg

Geschrieben 20 March 2017 - 09:12

Karen Joy Fowler/John Joseph Adams (ed.):  The Best American Science Fiction and Fantasy 2016 (Mariner Books, 2016)

 

From quiet, elegiac, contemporary tales to far-future, deep-space sagas, the stories chosen by series editor John Joseph Adams and guest editor Karen Joy Fowler for The Best American Science Fiction and Fantasy 2016 demonstrate the vast spectrum of what science fiction and fantasy aims to illuminate, displaying the full gamut of the human experience, interrogating our hopes and our fears—of not just what we can accomplish or destroy as a person, but what we can accomplish or destroy as a people—and throwing us into strange new worlds that can only be explored when we shed the shackles of reality.

The Best American Science Fiction and Fantasy 2016 includes Rachel Swirsky, Sofia Samatar, Charlie Jane Anders, Ted Chiang, Kelly Link, Maria Dahvana Headley, Kij Johnson, Catherynne M. Valente, Dexter Palmer and others.

(amazon.de)

 

John Joseph Adams (Vorwort) und Karen Joy Fowler (Einleitung) erläutern das Prozedere für diese Best-of-Sammlung: Adams, unter anderem als Herausgeber des „Lightspeed Magazine“ Kenner der Materie, hat 80 Geschichten ausgewählt, die 2015 von US-Amerikanern verfasst oder auf dem amerikanischen Markt erschienen sind, 40 Science-Fiction-Storys, 40 Fantasy-Geschichten. Karen Joy Fowler, früher dem Genre als Leserin und Autorin (unter anderem mit dem Nebula und World Fantasy Award dekoriert) zugetan, was sie auch ganz nett beschreibt, heute aber eher im Bereich der Literatur-Literatur tätig, durfte nach dieser Vorauswahl die ihrer Ansicht nach besten 20 aussieben, auch wieder je zur Hälfte Science Fiction und Fantasy. Im Vergleich mit den anderen Best-of-Anthologien (Dozois, Clarke, Strahan, Horton) scheint dieses Buch tatsächlich eher das an allgemeiner Literatur interessierte Publikum als die reinen Genre-Fans anzusprechen. Das lässt sich an den Zutaten der ausgewählten Geschichten feststellen: Raumschiffe, fremde Welten und Außerirdische kommen kaum bis gar nicht vor (so viel zu den oben erwähnten „deep-space sagas“), speziell in den Fantasy-Storys muss man das fantastische Element öfter mal mit der Lupe suchen. Interessant auch: Mit den oben genannten Anthologien gibt es lediglich drei Überschneidungen, was den ganz anderen Ansatz des Duos Adams/Fowler untermauert. Das macht das Buch nicht schlecht, die Höhepunkte sind allerdings aus fantastischer Sicht eher dünn gesät.

 

Zu den originellsten Geschichten der Anthologie zählt „The Mushroom Queen“ von Liz Ziemska (ursprünglich im Magazin „Tin House“ veröffentlicht): Eine menschliche Frau wird von einem seltsamen Pilz-Lebewesen ersetzt, eben der titelgebenden „Mushroom Queen“, das die Frau eins zu eins kopiert und sich nun bemüht, weder die Nachbarn noch den Ehemann (der natürlich gar nichts merkt, was nun wirklich köstlich ist) der Ersetzten misstrauisch werden zu lassen – einzig der Hund des Paars kriegt mit, was passiert ist. Klasse Geschichte, die den literarischen Anspruch der Herausgeber und die Grundvoraussetzung, nämlich dass es sich um eine phantastische Story handelt, mit am besten vereint.

 

Sehr unterhaltsam zu lesen – was unter vielen doch eher zähen, weil (bemüht) anspruchsvollen Geschichten sehr wohlwollend zur Kenntnis zu nehmen ist –, war zudem „Lightning Jack’s Last Ride“ von Dale Bailey (aus „The Magazine of Fantasy & Science Fiction“). In einer nahen Zukunft sind der Ich-Erzähler und seine Freunde, darunter der weltberühmte Lightning Jack, dessen Geschichte erzählt wird, in den von einem Bürgerkrieg erschütterten USA unterwegs, um mit ihren gepanzerten Rennautors Benzin-Diebstähle durchzuführen. Gute Geschichte mit sehr lebendig geschilderten Personen und einem vernünftigen Ende.

 

Drittes positives Beispiel: „The Great Silence“ von Ted Chiang, eine für diesen immer gern gelesenen Autor ungewohnt kurze und eher launig verfasste Geschichte (erstveröffentlich online im „e-flux journal“, nachgedruckt im „Magazine of Fantasy & Science Fiction“). Während sich die Menschen bemühen, Kontakt zu außerirdischem Leben zu bekommen, wundern sich die irdischen Papageien, warum niemand auf ihre Botschaften antwortet. Lustig!

 

Schließlich sei noch „Ambiguity Machines: An Examination“ von Vandana Singh (Tor.com) erwähnt, großartig erzählt und auch inhaltlich sehr überzeugend – mehr über den Inhalt, der in drei Abschnitte unterteilten Geschichte zu verraten, verbietet sich. Nur so viel: Es lohnt sich, die Story zu lesen (die findet sich übrigens auch kostenlos hier: http://www.tor.com/2...-vandana-singh/).

 

Auf den Rest des Buches möchte ich gar nicht näher eingehen. Bei einigen Geschichten habe ich das in den anderen Best-of-Threads bereits getan, nämlich bei „The Game of Smash and Recovery“ von Kelly Link, „No Placeholder for You, My Love“ von Nick Wolven und „Three Bodies at Mitanni“ von Seth Dickinson, vieles andere ist einfach für Genre-Leser nicht interessant genug. Natürlich kann man an einer Geschichte wie „Meet me in Iram“ von Sofia Samatar trotzdem Freude haben: Die ist klasse geschrieben, und sie ist zumindest insofern auch fantastisch, als sie in der Stadt Iram spielt, einer laut Koran und orientalischer Überlieferung untergegangenen Stadt, auch als „Atlantis des Sandes“ bezeichnet. Wenn man das nicht weiß (oder nicht googelt), darf man durchaus rätseln, warum und wo die Herausgeber hier Fantasy sehen …

 

Insgesamt eine aus Genre-Sicht etwas überambitionierte Anthologie mit zu wenigen Höhepunkten (nämlich den hier genannten Geschichten). Der Vollständigkeit halber hier noch alle Titel und Autoren (die Einteilung in SF und Fantasy folgt der im Buch, ich hätte da, speziell bei „Mushroom Queen“ und „Ambiguity Machines“, durchaus gelegentlich anders geurteilt):

 

EDITORIAL

Foreword by John Joseph Adams

Introduction by Karen Joy Fowler

 

FANTASY

Meet Me in Iram by Sofia Samatar

from Meet Me in Iram/Those Are the Pearls

Interesting Facts by Adam Johnson

from Harper’s Magazine

The Apartment Dweller’s Bestiary by Kij Johnson

from Clarkesworld Magazine

The Mushroom Queen by Liz Ziemska

from Tin House

Tea Time by Rachel Swirsky

from Lightspeed Magazine

The Duniazát by Salman Rushdie

from The New Yorker

The Thirteen Mercies by Maria Dahvana Headley

from The Magazine of Fantasy & Science Fiction

Things You Can Buy for a Penny by Will Kaufman

from Lightspeed Magazine

The Heat of Us: Notes Toward an Oral History by Sam J. Miller

from Uncanny Magazine

Ambiguity Machines: An Examination by Vandana Singh

from Tor.com

 

SCIENCE FICTION

The Game of Smash and Recovery by Kelly Link

from Strange Horizons

Planet Lion by Catherynne M. Valente

from Uncanny Magazine

By Degrees and Dilatory Time by S.L. Huang

from Strange Horizons

The Daydreamer by Proxy by Dexter Palmer

from The Bestiary

Headshot by Julian Mortimer Smith

from Terraform

No Placeholder for You, My Love by Nick Wolven

from Asimov’s Science Fiction

Lightning Jack’s Last Ride by Dale Bailey

from The Magazine of Fantasy & Science Fiction

Rat Catcher’s Yellows by Charlie Jane Anders

from Press Start to Play

Three Bodies at Mitanni by Seth Dickinson

from Analog Science Fiction & Fact

The Great Silence by Ted Chiang

from e-flux journal






Besucher die dieses Thema lesen: 0

Mitglieder: 0, Gäste: 0, unsichtbare Mitglieder: 0