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Ist das Fandom am Ende oder steht der Durchbruch bevor?


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29 Antworten in diesem Thema

#1 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 15 March 2019 - 14:51

Leser von phantastischer Literatur erleben nie geahnte Möglichkeiten. Jedes Jahr erscheinen mehr Bücher. Jeders Genre und Untergenre wird bedient und es gibt wirklich sehr viele verschiedene Lektüren.

Auch auf der Preisfront hat sich viel getan. DSFP und KLP, DPP, Vincent, Seraph und Skoutz, es scheinen immer mehr zu werden

 

Dazu die PAN Bestenliste, diverse Webseiten, Foren, Facebook und Twitter.

 

Andererseits hat man den Eindruck, die Vielfalt führt zur Zersplitterung. Jeder lebt in seiner Blase und hatte früher das Fandom eine recht breit gefächerte Interessensbasis, scheint es jetzt eher abgegrenzt zu sein.

 

Wie seht ihr das? Eher so das es ungeahnte Möglichkeiten gibt mit unbegrenzten Informationen zur phantastischen Literatur oder eher das die Szene so zersplittert ist das man immer nur einen Bruchteil erblickt?



#2 Diboo

Diboo

    Kaisertentakel

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Geschrieben 15 March 2019 - 15:02

 

Andererseits hat man den Eindruck, die Vielfalt führt zur Zersplitterung. Jeder lebt in seiner Blase und hatte früher das Fandom eine recht breit gefächerte Interessensbasis, scheint es jetzt eher abgegrenzt zu sein.

 

 

 

Worauf beruht Dein Eindruck? 


"Alles, was es wert ist, getan zu werden, ist es auch wert, für Geld getan zu werden."
(13. Erwerbsregel)

"Anyone who doesn't fight for his own self-interest has volunteered to fight for someone else's."
(The Cynic's book of wisdom)

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#3 Amtranik

Amtranik

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Geschrieben 15 March 2019 - 15:03

Worauf beruht Dein Eindruck? 

Er hat langeweile. :ph34r:



#4 Zack

Zack

    Giganaut

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Geschrieben 15 March 2019 - 15:06

Interessantes Thema, ich habe auch schon drüber nachgedacht. Einerseits gibt es so viele spannende Neuerscheinungen, das man gar nicht alle lesen kann, und an allen Fronten wird gewerkelt und berichtet. Andererseits leben wir irgendwie alle nebeneinanderher und der Austausch ist gefühlt zum Erliegen gekommen. Jeder macht sein Ding. Redakteur bei einer größeren Seite will kaum noch jemand sein, lieber macht jeder seinen eigenen Blog. Was ich echt vermisse, ist ein Austausch, dass Informationen aktiv weitergegeben werden und man nicht nur zufällig über die Social Media mal was mitbekommt ... wenn ich mal wenig Zeit für Twitter und Co. habe, dann komme ich schon nicht mehr richtig mit.


“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)


http://www.literatopia.de

#5 Pogopuschel

Pogopuschel

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Geschrieben 15 March 2019 - 15:38

Interessantes Thema, ich habe auch schon drüber nachgedacht. Einerseits gibt es so viele spannende Neuerscheinungen, das man gar nicht alle lesen kann, und an allen Fronten wird gewerkelt und berichtet. Andererseits leben wir irgendwie alle nebeneinanderher und der Austausch ist gefühlt zum Erliegen gekommen. Jeder macht sein Ding. Redakteur bei einer größeren Seite will kaum noch jemand sein, lieber macht jeder seinen eigenen Blog. Was ich echt vermisse, ist ein Austausch, dass Informationen aktiv weitergegeben werden und man nicht nur zufällig über die Social Media mal was mitbekommt ... wenn ich mal wenig Zeit für Twitter und Co. habe, dann komme ich schon nicht mehr richtig mit.

 

Dem Eindruck würde ich mich anschließen. Blogs, Podcasts und Youtubekanäle schießen weiterhin wie Pilze aus dem Boden, aber jeder zieht sein eigenes Ding durch (ich mit meinem Blog auch). Gebündelt ist es immer schwerer, etwas über interessante Bücher zu finden. Seiten wie der Fantasyguide hatten früher eine Fülle an Rezensenten, finden aber heute kaum noch Personal. Rezensionsportale und Magazine gibt es immer weniger. Und hier in den Foren ist auch immer weniger los (aus unterschiedlichen Gründen). Ich glaube nicht, dass die Zahl der SF- oder Phantastikinteressierten kleiner geworden ist, aber die Szene ist unübersichtlicher geworden und mehr zersplittet, viele beschränken sich lieber auf Facebook, Twitter oder Instagram.

 

Und ja, darüber haben wir auch schon vor 10 Jahren diskutiert, Aber jetzt haben wir ja nicht mehr vor 10 Jahren, sondern jetzt. ;)



#6 Zack

Zack

    Giganaut

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Geschrieben 15 March 2019 - 15:55

Also vor 10 Jahren hab ich noch leichter willige Redakteure für Literatopia gefunden! ;)

 

Inzwischen ist das Team geschrumpft und für den PHANTAST arbeite ich inzwischen mit einer ständig wechselnden Redaktion. Je nach Thema schreibe ich Leute an, die eventuell was machen würden. Da funktioniert es noch ganz gut (wobei ich mir da auch mehr Leute wünschen würde, gerade von anderen Portalen wie Fantasyguide! ;) ), aber für Literatopia jemanden zu finden, ist echt schwer und jeder, der passen würde, hat bereits seinen Blog / seine eigene Website usw. ...

 

Bei uns spielt aber auch rein, dass wir alle gealtert sind und viele neben dem Beruf keine Zeit mehr für Artikel, Rezensionen etc. haben - und die "jungen Leute" sind eben eher auf den Social Media unterwegs und machen lieber Fotos von Büchern mit Hund oder Blumen, statt ausführliche Rezensionen zu schreiben. Nicht alle, aber doch viele. Zumindest kommt es mir so vor (ich denke da an einen jungen Mann, der sich vorzugsweise oberkörperfrei mit irgendwelchen Romantasy-Jugendbüchern fotografiert *ähm naja*).

 

Klingt jetzt blöd, aber vielleicht sind wir einfach zu alt geworden? *lol* ... Ich hab zumindest das Gefühl, dass die Leser immer weniger Lust haben, sich längere Texte durchzulesen ...


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#7 Peter-in-Space

Peter-in-Space

    Giganaut

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Geschrieben 15 March 2019 - 16:52

Ich traue mich, mit einer Erfahrung von unglaublichen zwei Jahren (!) auch mal was zu posten:

 

Es ist lobenswert, dass - auch im deutschsprachigen, aber natürlich auch im internationalen Maßstab - eine Unmenge von Veröffentlichungen existieren. So wird jeder Geschmack und jede Neigung angesprochen.

 

Aber dieses führt meines Erachtens nicht zu einer Diversifizierung; diese kommt durch den Adressaten selbst, der früher einfach nicht den Überblick über alle Veröffentlichungen gibt. Die Spezialisten - ich zähle mich ein wenig dazu - werden in ihrer mehr oder weniger großen Nische bedient, daneben existieren immer noch die Generalisten, die alles bzw. sehr viel konsumieren und hierbei die große Auswahl haben.

 

Und selbst ich, der ich immer wieder etwas in meiner Nische finde, bin bass erstaunt, wenn ich mal etwas "von Außerhalb" finde, was sich zu lesen lohnt.

 

Also, alles gut!

 

Was mich traurig stimmt, ist die Tatsache, das die Romane unseres Genres nicht mehr unter SF firmieren, sondern im Bücherregal schon unter Liebesromane zu finden ist. Aber das ist wohl ein anderes Thema...


Bearbeitet von Peter-in-Space, 15 March 2019 - 16:54.

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Small words from a small being, trying to attack what it doesn't understand.

 

 

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#8 lapismont

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Geschrieben 15 March 2019 - 17:06

Inzwischen ist das Team geschrumpft und für den PHANTAST arbeite ich inzwischen mit einer ständig wechselnden Redaktion. Je nach Thema schreibe ich Leute an, die eventuell was machen würden. Da funktioniert es noch ganz gut (wobei ich mir da auch mehr Leute wünschen würde, gerade von anderen Portalen wie Fantasyguide!  ;) ), aber für Literatopia jemanden zu finden, ist echt schwer und jeder, der passen würde, hat bereits seinen Blog / seine eigene Website usw. ...

Woher nehmen? Bei mir reicht es neben den FG-amLebenHalten gerade mal zu ein paar Interviews im Jahr. Wir hatten ja früher mal PhaseX, aber das Projekt versandete letztlich auch an Personalmangel.

Hinzu kommt das Gefühl, angesichts des fast nicht vorhandenen Feedbacks, für die Tonne zu schreiben.


Überlicht und Beamen wird von Elfen verhindert.
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#9 Zack

Zack

    Giganaut

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Geschrieben 15 March 2019 - 17:39

Woher nehmen? Bei mir reicht es neben den FG-amLebenHalten gerade mal zu ein paar Interviews im Jahr. Wir hatten ja früher mal PhaseX, aber das Projekt versandete letztlich auch an Personalmangel.

Hinzu kommt das Gefühl, angesichts des fast nicht vorhandenen Feedbacks, für die Tonne zu schreiben.

 

Ich weiß, wir kämpfen ja auch ... trotzdem wollte ichs mal wieder in den Raum werfen, dass Eure Mitarbeit jederzeit willkommen wäre ;) ...

 

Wir bekommen leider auch sehr wenig Feedback, aber immerhin so viel, dass die Lust noch da ist, weiterzumachen. So im Netzalltag kommt da kaum was, aber wenn ich z.B. auf der Buchmesse bin, stelle ich fest, dass doch einige Leute den PHANTAST lesen und mal nachfragen, wanns die nächste Ausgabe gibt. Und in den Social Media gibts immerhin ein paar Likes, also ganz für die Tonne ist es hoffentlich nicht. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Andromeda Nachrichten uns immerhin besprechen :)


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#10 T.H.

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Geschrieben 15 March 2019 - 17:43

So ein Forum wie dieses hier ist ja eigentlich so ein Fandom-Sammelpunkt. Auf jeden Fall kriege ich hier viel Input und bin dafür dankbar. 

Ansonsten fülle ich ja  - mit einer Handvoll "fester Mitarbeiter" und immer mal wechselnden Gästen - ein Fandom-Produkt - ein Fanzine, so aus Papier, den NEUEN STERN. Fühle mich da in dieser Nische ganz wohl.


Phantastische Grüße,
Thomas

...meine "Phantastischen Ansichten" gibt's hier.
Auf FB zu finden unter phantasticus

(Hinweis: Derzeit keine Internetrepräsentanz meiner Bilder; schade eigentlich...)


#11 Ming der Grausame

Ming der Grausame

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Geschrieben 16 March 2019 - 10:26

Ich hingegen glaube, dass die Einschätzung von Christian Heiko Spließ nach wie vor zutrifft... k020.gif
„Weisen Sie Mittelmäßigkeit wie eine Seuche zurück, verbannen Sie sie aus ihrem Leben.“

Buck Rogers

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#12 Uwe Post

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Geschrieben 16 March 2019 - 10:59

In der Tat, man muss nur den ersten Absatz von Christians Posting lesen - und eine neue Erkenntnis ist das sicher nicht. Auch Mammut schreibt oben hauptsächlich über Bücher, wohingegen sich der Fokus der jüngeren Generation längst in Richtung Serien, Filme, youtube, Games und Meme verlagert hat. Insofern gibt es natürlich ein großes Fandom im Sinne von "Leuten, die phantastische Popkultur toll finden und auch darüber diskutieren", aber es findet weder auf Conventions noch in diesem Forum statt, sondern beispielsweise in den tausenden Kommentarpostings unter youtube-"Blockbustern" oder Twitch-Livechats. Dass sich dabei Blasen bilden, ist weder neu noch bemerkenswert: Es gab schon immer Trekkies, Fans von Star Wars, ja selbst das PR-Subforum hier im SFN ist ein Stückweit Paralleluniversum.

 

Wenn man dem begegnen möchte, muss man sich aus seiner eigenen Komfortzone begeben. Deshalb mache ich mit Uwe Hermann und ein paar anderen zusammen bescheidene youtube-Filme und präsentiere heute abend einen Film bei einem Kurzfilmabend, statt einen neuen SF-Roman zu schreiben. Nur mal so als Beispiel, nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen!  :aliensmile:


RETTE SICH WER KANN! WALPAR IST WIEDER DA!  Walpar Tonnraffir und die Ursuppe mit extra Chili |||  uwepost.de ||| deutsche-science-fiction.de


#13 T.H.

T.H.

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Geschrieben 16 March 2019 - 11:40

Ich hingegen glaube, dass die Einschätzung von Christian Heiko Spließ nach wie vor zutrifft... k020.gif

 

...was, wir sollen "den Stecker ziehen"? Nö.


Bearbeitet von T.H., 16 March 2019 - 11:58.

Phantastische Grüße,
Thomas

...meine "Phantastischen Ansichten" gibt's hier.
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#14 Ming der Grausame

Ming der Grausame

    Evil Ruler of Mongo

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Geschrieben 16 March 2019 - 11:55

Ab wann ist das Leid im Gerontenstadl unzumutbar? Haustiere lässt man doch auch einschläfern... a035.gif
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#15 ThK

ThK

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Geschrieben 16 March 2019 - 11:56

Nein, es besteht kein Grund für Untergangsstimmung. Der Szene geht es gut, sie verändert sich nur und es gibt auch jede Menge Nachwuchs. Auch im Literaturbereich. Das macht sich nur in bestimmten Ecken nicht unbedingt bemerkbar – vor allem, da wo man gern unter sich und dem Radar der sozialen Medien bleibt.

Wenn ich im Jahr 2004 auf einer Convention war, dann habe ich da vielleicht drei oder vier Leute gesehen, die ich kannte und mit Zweien gesprochen. Wenn ich heute über die RPC gehe – gedenken wir ihr an dieser Stelle einige Sekunden – oder den Buchmessecon, dann komme ich keine drei Meter weit, ohne jemanden zu treffen, für den ich entweder eine Lesung organisiert und moderiert, , mit dem ich sogar zusammen gelesen habe, oder an dessen Anthologieprojekt ich beteiligt gewesen wäre.

Das gegenseitige Ignorieren war immer mal wieder ein Kritikpunkt, der von allen Seiten genannt wurde. Aber ich empfinde das schon lange nicht mehr so stark. Könnte natürlich auch daran liegen, dass die Ignorierer langsam aussterben.

Das Problem ist wohl auch eine rein passive Erwartungshaltunmg.

Man muss den Leuten Möglichkeiten bieten, etwas miteinander auf die Beine zu stellen. Ich kann nur für mein Projekt sprechen:

Bei den virtuellen Lesungen, vor allem beim Literaturcon lassen wir ja gerade die zusammen auftreten, die normalerweise gar keine Gelegenheit dazu haben. Beispielsweise Uwe Hermann, Arno Behrend, Gabriele Behrend und ich in der selben Lesung. Weg vom alten Muster Jeder-leiert-seinen-Scheiß-runter. Gebt der Sache nen richtigen Performancecharakter. Man muss Projekte auf die Beine stellen, zu denen Vertreter aus den unterschiedlichsten Genreecken zusammenkommen können.

Auf der anderen Seite könnte man dann anmerken, dass man bei solchen, für die alte Garde ungewohnten Veranstaltungen jene, die besonders laut über die vermeintlich sterbende Szene klagen, nicht antreffen wird. Und das liegt nicht daran, dass sie noch nie davon gehört hätten.

Wat der Buer nich kennt, dat fret er nich, hätte meine Oma gesagt.

Auf der anderen Seite merkt man auch, dass alle, die nicht jammern, süblicherweise auch irgendwann mal auf den neuen Bühnen reinschauen.

Der Fandomler ist noch da. Aber er ist der Fandomler des Jahres 2019.


Bearbeitet von ThK, 16 March 2019 - 12:03.


#16 Galax

Galax

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Geschrieben 16 March 2019 - 12:12

Dank neuer Technologien und Kommunikationsmittel ist das Fandom, was vor 4 Jahrzehnten einmal monatlich im Keller eines Jugendlichen ausgepackt wurde und im Spießertum Deutschlands dann eher stillschweigend vertrete wurde nun allgegenwärtig.

Täglich news, täglich Diskussionen, täglich Neuerscheinungen, täglich ein kurzer Chat mit dem Nerdkumpel, ob er das oder das schon gesehen hat.
Fandom stirbt nicht, sondern Fandom hat das Licht der Welt erblickt und ist Teil des Alltags.


Warum auf alte Katastrophen zurückblicken? Es liegen noch unzählige vor einem!

Eingefügtes Bild

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#17 Stadler

Stadler

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Geschrieben 16 March 2019 - 14:48

Dank neuer Technologien und Kommunikationsmittel ist das Fandom, was vor 4 Jahrzehnten einmal monatlich im Keller eines Jugendlichen ausgepackt wurde und im Spießertum Deutschlands dann eher stillschweigend vertrete wurde nun allgegenwärtig.

Da fehlt mir jetzt echt der intellektuelle Zugang  :confused:



#18 Frederic Brake

Frederic Brake

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Geschrieben 16 March 2019 - 15:14

Der Fandomler ist noch da. Aber er ist der Fandomler des Jahres 2019.


Die gefühlte und tatsächliche Fragmentierung des Fandom mag für den einen oder anderen Beobachter wie Siechtum erscheinen. Mir eher wie ein ungezügeltes Wachstum, dass der Petrischale des Nerdkellers entwichen ist und sich diversifiziert und ausbreitet. Es gibt nicht mehr "den Fan" oder "das Fandom". Es gibt multiple Versionen davon. Ob das gut oder schlecht ist, hängt von der Überlebensfähigkeitdes einzelnen Fandomzweiges ab. Ich finde es persönlich gut, rege mich aber immer dann auf, wenn deshalb "das Fandom" totgeredet wird. Michaels Fragestellung geht allerdings nicht in diese Richtung, denke ich. Eher in Richtung Erkundung der Meinungstopografie zu dem Thema in diesem Forum.
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#19 Mammut

Mammut

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Geschrieben 16 March 2019 - 16:52

 Ich finde es persönlich gut, rege mich aber immer dann auf, wenn deshalb "das Fandom" totgeredet wird. Michaels Fragestellung geht allerdings nicht in diese Richtung, denke ich. Eher in Richtung Erkundung der Meinungstopografie zu dem Thema in diesem Forum.

 

Ich dachte das wäre klar, kann es aber gerne nochmal betonen. Ich habe die beiden gegensätzliche Thesen aufgestellt, einfach nur, damit eine Diskussion in Gang kommt. Dein letzter Satz trifft daher völlig zu.

Daher kann ich auch schlecht weder das für oder dagegen untermauern, schließlich wurde der Thread ja gestartet, damit ich mir eine Meinung bilden kann und da helfen andere Meinungen immer. Und es kamen ja interessante Meinungen auf das Tablett. Schön, super.



#20 Mammut

Mammut

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Geschrieben 16 March 2019 - 16:56

Wenn man dem begegnen möchte, muss man sich aus seiner eigenen Komfortzone begeben. Deshalb mache ich mit Uwe Hermann und ein paar anderen zusammen bescheidene youtube-Filme und präsentiere heute abend einen Film bei einem Kurzfilmabend, statt einen neuen SF-Roman zu schreiben. Nur mal so als Beispiel, nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen!  :aliensmile:

 

Zwei Filme habt ihr bisher gemacht, oder? Wie ist dein Zwischenfazit?



#21 Mammut

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Geschrieben 16 March 2019 - 17:02

Nein, es besteht kein Grund für Untergangsstimmung. Der Szene geht es gut, sie verändert sich nur und es gibt auch jede Menge Nachwuchs. Auch im Literaturbereich. Das macht sich nur in bestimmten Ecken nicht unbedingt bemerkbar – vor allem, da wo man gern unter sich und dem Radar der sozialen Medien bleibt.

Wenn ich im Jahr 2004 auf einer Convention war, dann habe ich da vielleicht drei oder vier Leute gesehen, die ich kannte und mit Zweien gesprochen. Wenn ich heute über die RPC gehe – gedenken wir ihr an dieser Stelle einige Sekunden – oder den Buchmessecon, dann komme ich keine drei Meter weit, ohne jemanden zu treffen, für den ich entweder eine Lesung organisiert und moderiert, , mit dem ich sogar zusammen gelesen habe, oder an dessen Anthologieprojekt ich beteiligt gewesen wäre.

Das gegenseitige Ignorieren war immer mal wieder ein Kritikpunkt, der von allen Seiten genannt wurde. Aber ich empfinde das schon lange nicht mehr so stark. Könnte natürlich auch daran liegen, dass die Ignorierer langsam aussterben.

Das Problem ist wohl auch eine rein passive Erwartungshaltunmg.

Man muss den Leuten Möglichkeiten bieten, etwas miteinander auf die Beine zu stellen. Ich kann nur für mein Projekt sprechen:

Bei den virtuellen Lesungen, vor allem beim Literaturcon lassen wir ja gerade die zusammen auftreten, die normalerweise gar keine Gelegenheit dazu haben. Beispielsweise Uwe Hermann, Arno Behrend, Gabriele Behrend und ich in der selben Lesung. Weg vom alten Muster Jeder-leiert-seinen-Scheiß-runter. Gebt der Sache nen richtigen Performancecharakter. Man muss Projekte auf die Beine stellen, zu denen Vertreter aus den unterschiedlichsten Genreecken zusammenkommen können.

Auf der anderen Seite könnte man dann anmerken, dass man bei solchen, für die alte Garde ungewohnten Veranstaltungen jene, die besonders laut über die vermeintlich sterbende Szene klagen, nicht antreffen wird. Und das liegt nicht daran, dass sie noch nie davon gehört hätten.

Wat der Buer nich kennt, dat fret er nich, hätte meine Oma gesagt.

Auf der anderen Seite merkt man auch, dass alle, die nicht jammern, süblicherweise auch irgendwann mal auf den neuen Bühnen reinschauen.

Der Fandomler ist noch da. Aber er ist der Fandomler des Jahres 2019.

 

Das spricht doch für die Blasenbildung, oder? Was du schreibst würde ja genau diese These untermauern. Die Leut beklagen sich das nix läuft, ignorieren die Brennenden Buchstaben aber.

Lapismont hat ja bei euch gelesen und zwei Geschichten aus Fantasyguide präsentiert dort vorgestellt. Umgekehrt habe ich auf Youtube Frederic Brakes Geschichte gelesen und die ist jetzt in Zwielicht Classic 14 erschienen (mal als Gegenbeispiel zur Blasenbildung).



#22 ThK

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Geschrieben 16 March 2019 - 17:08

Nein, ikch denke die sich beklagende Blase verkümmert langsam - umgeben von blühenden Landschaften. Die anderen Blasen kleben wie Reben aneinander. Das sind die fruchtbaren Blasen der Zukunft.

 

Volle Zustimmung für Frederic Brake übrigens.

 

Und auch ich gehe davon aus, dass Michael nur ein Meinungsbild einholen will. Hach, "Meinungstopografie", Frederic. Wenn du solche Schen schreibst, macht mich das immer wuschig!



#23 Frederic Brake

Frederic Brake

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Geschrieben 16 March 2019 - 17:24

Hach, "Meinungstopografie", Frederic. Wenn du solche Schen schreibst, macht mich das immer wuschig!

Ich weiß halt, was du brauchst.
(Liest Kirsten eigentlich mit?)

Bearbeitet von Frederic Brake, 16 March 2019 - 17:28.

I was lying in my bed the other night and looked up to the stars and thought:
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#24 Mammut

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Geschrieben 16 March 2019 - 17:54

Er hat langeweile. :ph34r:

 

Was haben dann erst all die, die den Thread als Anlass nehmen zu diskutieren? :bighlaugh:



#25 Amtranik

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Geschrieben 16 March 2019 - 17:58

Was haben dann erst all die, die den Thread als Anlass nehmen zu diskutieren? :bighlaugh:

Der geht an dich.... ;)



#26 Zeitreisender

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Geschrieben 16 March 2019 - 20:57

Ich hingegen glaube, dass die Einschätzung von Christian Heiko Spließ nach wie vor zutrifft.. k020.gif

 

Trotz einiger Tippfehler, ein schöner Artikel. Spricht mir aus der Seele, wie ich manchmal über dieses "Alte weiße Frauen und Männer"-Fandom denke. Ich begreife es nicht, wieso SF-Fans ausschließlich Leseratten sein sollen. Es gibt viele gute Filme, Fernsehserien, Hörspiele und Videospiele, über die man so richtig auslassen kann. Comics sind auch noch eine Möglichkeit, aber die zähle ich zur Literatur.

 

Von mir aus kann dieses altbackende Fandom aussterben. Danach entstehen neue Fandoms usw. Veränderungen sind (immer) gut und... hey... that's science fiction. :wink2: Seit Jahren besuche ich auch die Buchmesse Con nicht mehr. SF war dort zu selten vertreten und andere Medien gab es auch dort kaum. Meine Agenda für 2020 (oder 2019) für die Buchmesse Con: Mehr Robert Vögel braucht das Land. :bighlaugh:


Bearbeitet von Zeitreisender, 16 March 2019 - 23:42.


#27 lapismont

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Geschrieben 16 March 2019 - 21:36

  :wink2: Seit Jahren besuche ich auch die Buchmesse Con nicht mehr. SF war dort zu selten vertreten und andere Medien gab es auch dort kaum. Meine Agenda für 2020 (oder 2019) für die Buchmesse Con: Mehr Robert Vögel bracht das Land. :bighlaugh:

Aber wenn die SF-Fans den Laden verlassen …

dann blubbern sie selbst an ihrer letzten Blase.

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#28 Peter-in-Space

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Geschrieben 16 March 2019 - 22:00

ja, die Jugend. Nie war sie so schlimm wie immer!

 

Sage ich, denn ich muss es wissen als alter Sack.

 

Während meines Urlaubes traf ich rein zufällig - es mag in einer norddeutschen Kleinstadt mit schmuckem Binnenhafen gewesen sein - auf ein gar freundliches Fräulein, das vor dem Regal mit SF stand und sich frug, welchen Klopper sie sich lesenderweise in ihr ästhetisch Gedächtnis reinzuprügeln gedenken wollte.

 

Dabei sagte sie den Satz: "Ich hasse Fantasy, und ich hasse Schwulst bei Liebesgeschichten".

 

Als ich sagte, dass sie dort ein ziemlich singuläres Phänomen sei, verneinte sie vehement und führte ihre Clique an, die - bis auf die regelbestätigende Ausnahme - genau so gepolt sei.

 

Wir verabschiedeten uns gar inniglich!

 

Ich denke, alles ist Moden unterworfen, und auch ein Drops von Harry Potter ist mal ausgelutscht.


Borg on Humanity:

Small words from a small being, trying to attack what it doesn't understand.

 

 

"Jeder technologische Fortschritt hat sich ... hinter ... christlichem Weltbild einzuordnen."

(A. Karliczek, Bundesministerin für Bildung; Kabinett Merkel IV)

 

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#29 Zeitreisender

Zeitreisender

    Temponaut

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Geschrieben 16 March 2019 - 23:56

Aber wenn die SF-Fans den Laden verlassen …

dann blubbern sie selbst an ihrer letzten Blase.

:aliensmile:

 

Angesprochen? :happy:



#30 Bernard

Bernard

    Infonaut

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Geschrieben 17 March 2019 - 09:49

In meiner Schulzeit konnte man drei Fernsehsender empfangen. Maximal auf einem davon lief im Abendprogramm etwas, das für einen Teenager akzeptabel war und bei dem man die Eltern überzeugen konnte, wenigstens grummelnd mitzugucken (zum Beispiel Time Tunnel oder Raumpatrouille Orion). Ergo hatte man am nächsten Tag die übliche Gesprächsrunde auf dem Schulhof, und da alle dasselbe geschaut hatten, konnten alle mitreden.

 

Bei den Büchern nehme ich das ähnlich wahr. "Früher" gab es eben die SF-Bücher, die Heyne, Bastei und Goldmann herausgebracht haben - und zwar praktisch nur die jeweils aktuellen, die in den Buchhandlungen standen. Auf diese Titel fokussierte sich das Lesen, da kannte sich jeder Fan aus, und ergo waren die Thema (wobei es schon damals die Trennung Rhodan/nicht Rhodan gab).

Heute ist das ganz anders. Wenn ich einen für mich interessanten Autor entdecke oder sonstwie auf ein interessantes Buch von Anno dazumal aufmerksam werde, sind diese Titel ein paar Klicks entfernt. Wenn das Werk einigermaßen Auflage hatte, wird man es bei Medimops, im Amazon Marketplace, bei Arvelle oder bei ebay sofort für kleines Geld bekommen. Die Neuerscheinungen verlieren dadurch für das Fandom an integrativer Bedeutung. Und auch im Bereich der Neuerscheinungen gibt es natürlich durch die neuen Publikationswege eine viel größere Breite.

 

Dazu kommt die Konkurrenz durch andere Freizeitangebote. Wer Geschichten erzählt bekommen will, kann Streamen oder DVDs/BluRays anschauen und sich damit komplette Serien reinziehen (und auch hier wieder: Es ist wesentlich weniger relevant, was aktuell läuft - die Backlist ist sofort verfügbar). Er kann auch zum Computerspiel greifen, wo er im High-End-Bereich durchaus Filmqualität geboten bekommt.

 

In Summe ist das Interesse an Science-Fiction möglicherweise nicht gesunken, aber das gemeinsame Gesprächsthema - die Handvoll bedeutsamer Bücher der Jahres, die "man gelesen haben muss" - ist nicht mehr gegeben. Das hat den gewaltigen Vorteil, dass jeder wirklich genau das aussuchen und bekommen kann, was ihn interessiert, aber für ein Fandom, das einen gemeinsamen Nenner braucht, ist das zumindest eine Herausforderung.

 

Was Conventions angeht: Wir leben in einer Event-Kultur. Es ist cool, wenn man bei einem Event dabei sein kann, und zwar ganz besonder dann, wenn man dabei Bilder produzieren kann, die dokumentieren: "Ich war dabei!", und wenn diese Bilder dann in der eigenen Peer Group entsprechende Aufmerksamkeit erfahren. So funktionieren meines Erachtens die ComicCons. Unsere traditionellen Literatur-Cons produzieren aber keine Bilder. Nun kann man sich in diese Richtung natürlich öffnen, wie es etwa die Leipziger Buchmesse tut. Das führt auch dazu, dass ein Publikumsanstieg im jungen Bereich zu verzeichnen ist, und die Medien greifen das (dank Bildern) dankbar auf. Nur: Jetzt hat man die Cosplayer zwar auf der Convention - aber darum fangen die nicht an, sich für Bücher zu interessieren, und die Buch-Fans fangen nicht an, sich zu verkleiden (Ausnahmen bestätigen die Regel). Auf der Leipziger Buchmesse habe ich manchmal Lesungen mit 200 und mehr Leuten im Publikum, von denen aber vielleicht 10 aus der Cosplay-Ecke kommen. Bei den Kolleginnen und Kollegen scheint mir das ähnlich zu sein. Zugespitzt formuliert stellt sich damit die Frage, was es bringt, mehr Leute für die eigene Convention zu gewinnen, wenn man diese dann nicht auch für das eigene Hobby gewinnt.


www.bernardcraw.net
www.robertcorvus.net
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