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»Next Men« von Dark Horse


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#1 yiyippeeyippeeyay

yiyippeeyippeeyay

    Interstellargestein

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Geschrieben 28 May 2006 - 20:08

NEXT MEN (von John Byrne, verlegt bei Dark Horse von '91 bis '95)
jbnm1.jpg
(Dieser Cover des 1. Heftes linkt auch zur entspr. Seite des Verlages, woher das Bild stammt.)

Um die Präsentation von 4 SF-Comic-Zyklen von Altmeister Byrne, die ich nebenan mit den Fantastischen Vier begann, fort zu setzen, möchte ich diese Serie beschreiben. Es handelt sich um eine der innovativsten und komplexesten US-SF-Serien, die u.a. Themen wie Virtual Reality (VR), Eugenik bzw. die Schaffung von "Superhelden", und sogar Zeitreisen vereint.

Ich bemühe mich im Folgenden Spoilerisches zu vermeiden, werde es aber nicht 100%ig können.

Story
Ein geheimes US-Regierungsprojekt wird von einer CIA-ähnlichen Institution (nennen wir sie hier einfach das C.I. - im Comic hat sie keinen Namen) als ein verbotenes Humangenetiklabor mit menschlichen Testobjekten enttarnt. Bei der darauf resultierenden Verdeckungsaktion, die zu der völligen Zerstörung des Projektes führt, entkommen 5 Testobjekte mit Hilfe einer C.I.-Agentin, die allerdings schwer verletzt wird. Die 5 "next men" teilen sich auf, und kommen nach verschiedenen teils gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der ihnen völlig fremden US-Welt (sie sind im Labor mit Hilfe einer VR-Erziehungsumgebung "gezüchtet" worden, und hatten das Labor ihr Leben lang nicht verlassen) wieder alle zusammen in der C.I.-Zentrale, unter der Aufsicht des Mannes mit dem Rang "Control". Dieser ist anfangs ein Erzfeind des Senators Hilltop, der das Genetiklabor zu verantworten hatte, und damit seine eigenen düsteren Ziele verfolgte; dem Senator steht dabei ein Wesen aus der Zukunft zur Seite, das ihn nach und nach näher an sein Ziel bringt - die Präsidentschaft. Die Frage ist, ob die "next men" das verhindern können, während sie in dieser alles-andere-als-braven neuen Welt eine Niche für Freaks, wie sie es sind, finden.

(Wer große Ähnlichkeit zum Plot der TV-Serie Dark Angel bemerkt, hat m.E. recht - die haben von Byrnes Serie gut geklaut!)

Wohlwollende Analyse (also wieder "Lob" anstatt einer anständigen "Kritik")
Neben Zitaten aus bekannten Filmen (wie z.B. The Thing) und der Bibel (yo! - Vertreibung aus dem Paradies) hat Byrne hier einen sehr originellen, und auch mutigen, Bogen geschaffen, der in der Zukunft (man lese den Prequel-Band 2112 evtl. am Anfang, um gleich in die richtige SF-Stimmung zu kommen) beginnt, um dann zurück in die Fünfziger zu springen, und von dort viele erstaunliche Geschichtsfäden langsam zu entwickeln, vom Senator und seinen Leuten auf der einen Seite, die die "Züchtung" auf Anleitung aus der Zukunft beginnen, dann die Aufsplittung der Fäden als das Labor in die Luft geht. Das Leben in der VR-Welt der "next men" vor diesem Schnitt wird in einigen Rückblenden klar gemacht - man staunt über die detaillierte Breite der Vision!

Dabei werden die Rollen eher selten mit klaren Gut- vs. Schlecht-Menschen besetzt, und nur Weniges entwickelt sich in den 30 Heften entspr. dem ersten Anschein. Ich kenne wenige Serien die den Grips des Lesers immer wieder derart anstrengen, sich auf neue Entwicklungen und Drehungen einiger Charaktere ein zu stellen. Ganze Welten werden teilweise von einem Heft zum nächsten weggefegt, Vertrauensfiguren werden zu Ausbeutern, Ausbeuter zu bibbernden Philanthropen.

Der zentrale Nerv der Serie erscheint mir ein "realistischerer", also den Ansprüchen guter SF entsprechenderer, Umgang mit der möglichen Entstehung von Superhelden und Mutanten zu sein - realistischer zumindest als bisherige Serien, wie z.B. X-Men (die Byrne evtl. absichtlich phonetisch im Titel andeutet!). Mutierte Aspekte der "next men" machen sie vor allem ANDERS, und entwickeln sich, oft auch negativ; sie verleihen ihnen gelegentlich Dominanz über ihre "normalen" Mitmenschen, aber meistens haben sie eher eine entfremdende Wirkung. Ein herber Verlust ihrer Unschuld zieht sich durch fast alle Dialoge. Nebenbei beschreibt Byrne auch einen wissenschaftlich rigideren Ablauf, wie Mutanten sich innerhalb von 100 Jahren ab dem "next men"-Ereignis in der menschlichen Bevölkerung ausbreiten, und wie ablehnend letztere darauf reagiert.

Mit dieser Serie wagte sich der "Storyteller" (also Texter UND Zeichner) Byrne zum 1. Mal im Comics-Mainstream auf den Terrain einer vollkommen selbst geschaffenen Welt inkl. neuer Protagonisten (sein erstes ganz eigenes "Team", Alpha Flight, war im Marvel-Universum, also z.B. neben den X-Men, platziert). Wichtig war ihm dabei auch, dass er die Nutzungsrechte des Titels bzw. der Figuren völlig behielt. Die Serie war relativ erfolgreich, und deutete in den letzten Panels des letzten Hefts (#30) eine Fortsetzung an, die aber bis heute noch auf sich warten lässt. Letztes Jahr (2005) gab es Gerüchte über ein Verfilmungsprojekt - Konkreteres lässt aber noch auf sich warten.

Kennt die Serie jemand? Wenn ja, meint ihr, dass man überhaupt von einer Superheldenserie reden kann?

P.S. (much later edit): Next = OMAC!


Bearbeitet von yiyippeeyippeeyay, 19 May 2017 - 22:50.

/KB (blokkt auch auf dt.)

Yay! LGBuTopie-Dialog im Februar...
T.: Wie könntest du nur denken es ginge nicht, dass Paul und ich zusammen Hausaufgaben machen?

T.Ma: (Pause.) Ich möchte darüber jetzt gerade nicht sprechen.

T.: Wir brauchen nicht drüber sprechen. Aber Paul soll bleiben bis er nach Hause muss zum Abendessen.

T.Ma: Tony, darüber bin ich mir nicht so sicher.

T.: Wir lassen die Tür offen.
(Bester Freund des Erzählers vs. seiner urchristlichen Mutter, grob übersetzt aus Boy Meets Boy, Random House Verlag, S. 154, by Levithan)




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