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Film- & Serien-DB des SFN bald nicht mehr offline!


306 Antworten in diesem Thema

#301 Armin

Armin

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Geschrieben 13 May 2018 - 06:25

Rampage - Big meets bigger

 

Vermutlich kann man aus allem einen Film machen, auch aus dem Telefonbuch oder den Bedienungsanleitungen schwedischer Möbelhäuser. Definitiv geht das mit einem Videospiel aus den achtziger Jahren, dessen Handlung sich darin erschöpft, dass drei Monster eine Stadt in Schutt und Asche legen – und das in satten 768 Levels. Erstaunlicherweise ist „Rampage“ in der Filmversion nicht wesentlich komplexer angelegt. Regisseur Brad Peyton, der mit „San Andreas“ (2015) Erfahrung im Katastrophenfilmgenre gesammelt hat, setzt statt auf halbwegs intellektuellen Ballast lieber ganz auf seinen bewährten Hauptdarsteller Dwayne „The Rock“ Johnson und ein ausuferndes Effektespektakel.

 

Primatenforscher Davis Okoye (Johnson) hat eine rührende Freundschaft zu dem Albino-Gorilla George aufgebaut. Als dieser mit einer Substanz aus einem illegalen Genexperiment in Berührung kommt, wird der sanftmütige Affe zu einem tobsüchtigen Monster. Und George ist nicht allein, sondern bekommt Gesellschaft durch einen riesigen Wolf und ein ebenfalls verwandeltes Krokodil, das jetzt Godzilla ähnelt. Die drei machen sich auf nach Chicago, wo der für das Schlamassel verantwortliche Konzern der skrupellosen Claire Wyden (Malin Åkerman) und ihrem dämlichen Bruder Brett (Jake Lacy) seinen Sitz hat. Während alle Welt vergeblich versucht, die Monster zur Strecke zu bringen, will Okoye seinen Kumpel George retten und wird von Wissenschaftlerin Dr. Kate Caldwell (Naomie Harris) und dem Agenten Russell (Jeffrey Dean Morgan) unterstützt.

 

Wenn man sein Gehirn an der Kinokasse abgibt, kann man an „Rampage“ durchaus Spaß haben, zumindest eine Zeit lang. Auf Dauer wird die Zerstörungsorgie allerdings doch ziemlich ermüdend, da viel zu wenig Originelles passiert und auch die menschlichen Darsteller kaum Prickelndes beizutragen haben. Dass Wrestler „The Rock“ mehr Muskeln als Schauspieltalent hat, ist seit seinen frühen Gehversuchen als Scorpionkönig in „Die Mumie kehrt zurück“ (2000) hinlänglich bekannt. Naomie Harris hat man dagegen schon weniger sinnfrei agieren sehen, zum Beispiel als Moneypenny in zwei Bond-Filmen. Hier bleibt ihr leider nichts zu tun, außer dem strahlenden Helden durchs Getümmel hinterher zu stolpern. Eine großartige Szene hat der Film aber immerhin zu bieten: Wenn sich Brett Wyden in Sicherheit bringen will, offenbaren die Macher ganz kurz einen makabren Humor, den man sich öfter gewünscht hätte.

 

(4 Sternchen)



#302 Armin

Armin

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Geschrieben 21 May 2018 - 06:33

Deadpool 2

 

Deadpool ist die Anarcho-Variante des Superhelden: ein gnadenlos brutaler Söldner mit viel zu großem Mundwerk, der am liebsten gegen sämtliche Konventionen gleichzeitig verstößt. Sein Solo-Debüt auf der Leinwand, nach einem vorangegangenen Gastspiel in „X-Men Origins: Wolverine“ (2009), wurde trotz ausufernder Gewalt und Humors unterhalb der Gürtellinie zu einem überraschend großen Erfolg an den Kinokassen. Die Fortsetzung war quasi Pflicht und sie erfüllt die Erwartungen gleich in mehrfacher Hinsicht: Deadpool wird auch im zweiten Anlauf seine Fans begeistern und bei allen anderen für Kopfschütteln sorgen, die inhaltlichen Schwächen sind praktisch dieselben wie im ersten Film.

 

Dass Deadpool (Ryan Reynolds) einen Drogenboss ausnahmsweise nicht tötet, rächt sich, als dieser seine Freundin Vanessa (Morena Baccarin) umbringt. Halbwegs neuen Lebensmut schöpft der Söldner, nachdem ihn Colossus (Stefan Kapicic) und Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) als X-Men-Azubi rekrutiert haben. Das geht natürlich schief und Deadpool wandert zusammen mit dem Teenager-Mutanten Russell (Julian Dennison) ins Gefängnis. Dort taucht der aus der Zukunft stammende Cable (Josh Brolin) auf, mordlüstern und bis an die Zähne bewaffnet.

 

Wer eine intelligente Handlung erwartet, bleibt besser zu Hause. Alles, was auf der Leinwand passiert, dient nur dem Zweck, Stoff für Deadpools große Klappe zu liefern oder weitschweifende Zerstörungsorgien zu transportieren. Will man genau das hören und sehen, macht es mächtig Spaß, zumal der Streifen wie sein Vorgänger mit zahlreichen Anspielungen auf andere Filme – von „James Bond“ bis hin zu, natürlich, „Green Lantern“ – zum wahren Fest samt verspäteter Ostereiersuche für alle Nerds wird. Ryan Reynolds hat mit Deadpool seine Paraderolle gefunden, Josh Brolin verkörpert nach Thanos mit Cable auch den zweiten Marvel-Schurken sehr überzeugend. Der Rest des Personals ist mehr oder weniger Staffage, wobei man sich von einigen lustigen und unerwarteten Cameo-Auftritten überraschen lassen darf.

 

(7 Sternchen)



#303 Armin

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Geschrieben 27 May 2018 - 17:36

Solo: A Star Wars Story

 

Die Figur des Han Solo wird auf ewig mit Schauspieler Harrison Ford verbunden bleiben. Daran ändert auch die solide Vorstellung von Alden Ehrenreich („Hail, Caesar!“) als junge Ausgabe des legendären Weltraum-Schmugglers nichts. Der macht seine Sache ordentlich bis sympathisch und trotzdem erwartet man jeden Moment, dass der „echte“ Han Solo mit einem breiten Grinsen und einem flotten Spruch um die Ecke kommt, die Sache in die Hand nimmt und zu einem guten Ende führt. Das ist irgendwie symptomatisch für den ganzen Film: „Solo: A Star Wars Movie“ bietet nette Unterhaltung im Star-Wars-Universum mit den üblichen Ingredienzien – mehr aber leider nicht.

Zehn Jahre vor „Episode IV“: Han Solo muss von seiner Heimatwelt Correlia fliehen, seine Freundin Qi’ra (Emilia Clarke) zurücklassen und notgedrungen in die Dienste des Imperiums treten. Die Ausbildung zum Piloten währt aber nur kurz, bald findet sich der junge Draufgänger als Kanonenfutter im Schlamm eines unwichtigen Planeten mitten im imperialen Kampfeinsatz wieder. Hier trifft er nicht nur auf den Gauner Tobias Beckett (Woody Harrelson), sondern auch auf den Wookie Chewbacca (Joonas Suotamo). Man rauft sich zusammen und will gemeinsam einen Zug überfallen, der große Mengen des für Hyperraumantriebe benötigten Coaxiums transportiert, für das sich aber auch eine Diebestruppe um Enfys Nest (Lily Newmark) interessiert. Als Becketts Auftraggeber entpuppt der eiskalte Syndikatschef Dryden Vos (Paul Bettany). Und bald kommt auch der aalglatte Lando Calrissian (Donald Glover) ins Spiel, dank seiner Fertigkeiten mit den Karten stolzer Besitzer eines dringend benötigten Raumschiffs.

Die schwierige Entstehungsgeschichte, während der die ursprünglichen Regisseure Phil Lord und Christopher Miller („The Lego Movie“) gefeuert wurden und ihr Nachfolger Ron Howard („A Beautiful Mind“) gut siebzig Prozent des Films neu gedreht haben soll, sieht man dem Endergebnis glücklicherweise nicht an. „Solo“ wirkt durchaus wie aus einem Guss, kommt zwar etwas schwerfällig in die Gänge, findet dann aber seinen Ton und Erzählrhythmus. Die ganz große Spannung entsteht naturgemäß nicht, schließlich haben Han, Chewie und Lando im Serienuniversum ja noch weitere Auftritte. Die beste Action-Szene gibt’s mit dem klasse inszenierten Zugüberfall recht früh im Film, danach bezieht „Solo“ seinen Reiz vor allem aus der Frage, wer denn jetzt gerade wen übers Ohr haut. Das Ergebnis ist unterm Strich ein flottes Weltraumabenteuer, allerdings nicht das – längst unwahrscheinlich gewordene, aber immer noch erhoffte – Faszinosum wie die frühen „Star Wars“-Filme. Dass die Geschichte sich dann auch noch förmlich für Fortsetzungen aufdrängt, macht die Sache nicht besser.

 

(6 Sternchen)



#304 Armin

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Geschrieben 12 June 2018 - 06:46

Jurassic World: Das gefallene Königreich

 

Eigentlich war schon mit dem ersten (1993), spätestens aber mit dem zweiten „Jurassic Park“-Film (1997) alles gesagt, Teil drei hat nun wirklich niemand gebraucht. Umso überraschender kam vor drei Jahren die prinzipiell gelungene Renaissance der Dinosaurier daher: Mit eindrucksvollen Bildern, jeder Menge Action und einem Schuss Humor bot „Jurassic World“ zumindest ordentliche Popcorn-Unterhaltung für die Sommerzeit, die die Kinokassen einmal mehr klingeln ließ. Eine neuerliche Fortsetzung war deshalb wohl unvermeidlich, wirklich originelle Ideen haben sich die Macher aber leider nicht abgerungen. Vieles in der turbulenten ersten Hälfte erinnert stark an die „Vergessene Welt“, später wird es dann trotz einem endlich mal neuen Schauplatz sogar ziemlich langatmig und auch langweilig.

 

Nachdem der Freizeitpark Geschichte ist, könnten die Dinosaurier eigentlich in Ruhe und Frieden auf ihrer Insel leben. Doch dann bricht dort ein gewaltiger Vulkan aus, der die Frage aufwirft: Rettet man die Tiere oder sollten sie besser ein zweites Mal aussterben? Eli Mills (Rafe Spall), der sich um die Geschäfte von Milliardär Benjamin Lockwood (James Cromwell) kümmert, dem früheren Partner von Dino-Vater John Hammond, hat eigene Pläne: Er bringt Claire Dearing (Bryce Dallas Howard), die frühere Parkmanagerin, und Dino-Flüsterer Owen Grady (Chris Pratt) zurück auf die Insel. Vordergründig, um die Dinosaurier zu retten. Tatsächlich verfolgt er aber ganz andere Pläne. Das offenbart sich spätestens, als die Handlung verlagert wird – in Lockwoods Spukschloss-ähnliches Anwesen.

 

Statt Faszination über imposante Urzeitgiganten und großer Bildgewalt regiert in der zweiten Hälfte des Films von Regisseur Juan Antonio Bayona klaustrophobischer Grusel – oder würde regieren, wenn das Geschehen auf der Leinwand auch nur ansatzweise schlüssig wäre. Ein richtig müde in Szene gesetzter Bösewicht, die üblichen Versatzstücke samt neunmalklugem Kind (die von Isabella Sermon gespielte Lockwood-Enkelin Maisie), dem sattsam bekannten fanatischen Großwildjäger und Söldner (Ted Levine) sowie natürlich dem neusten Dino aus der Genküche; das prickelt leider nicht mal ansatzweise. Wo auf der Insel zumindest noch die Bilder mächtiger Dinosaurier überzeugen können, ist danach auch wegen der hanebüchenen Handlung nur noch Tristesse angesagt. Und trotzdem deutet das Ende auf eine weitere Fortsetzung hin – besser wäre, mal wieder zehn bis zwanzig Jahre Gras über die Dinos wachsen zu lassen.

 

(4 Sternchen)



#305 Armin

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Geschrieben 28 July 2018 - 07:23

Ant-Man and the Wasp

 

„Ant-Man“ war 2015 ein Überraschungserfolg aus den Marvel Studios, ein sympathischer Film mit einem sehr menschlichen Helden, der sich geschickt gegen den Trend seiner Superhelden-Kollegen stellte, alles noch ein Stück spektakulärer als zuvor zu gestalten. Da passt es gut, dass die Fortsetzung, erneut unter der Regie von Peyton Reed, recht zeitnah nach dem dramatischen Showdown des dritten „Avengers“-Streifens in die Kinos kommt und es hier, wenn auch mit Einschränkungen, wieder etwas geerdeter zugeht.

 

Weil er gegen das Sokovia-Abkommen verstoßen hat, sitzt Scott Lang (Paul Rudd) mit einer Fußfessel daheim seine Strafe ab, bespaßt seine Tochter Cassie (Abby Ryder Fortson) und lässt sich vom übereifrigen FBI-Agenten Woo (Randall Park) das Haus auf den Kopf stellen. Doch schon bald zwingen ihn die Ereignisse, das Ant-Man-Kostüm aufs Neue überzustreifen. Die eigentlich vor vielen Jahren im subatomaren Raum verschwundene Janet Van Dyne (Michelle Pfeiffer) taucht in einem sehr real wirkenden Traum auf. Das bringt Scott wieder mit Dr. Hank Pym (Michael Douglas) und Hope (Evangeline Lilly) zusammen, Ehemann und Tochter der Verschollenen, die nichts unversucht lassen, sie zu retten. Doch da ist auch die vom Schicksal schwer gezeichnete Ghost (Hannah John-Kamen), die auf Janets Kosten ihr eigenes Leben retten will. Bei so viel Dramatik sorgen neben ein paar kleinen Gaunern vor allem Scotts Freunde um Quasselstrippe Luiz (Michael Peña) für komödiantische Auflockerung.

 

Zwei Dinge kann man „Ant-Man and the Wasp“ negativ ankreiden: Das pseudowissenschaftliche Gequatsche, das sich immer wieder einschleicht, ist genau einmal lustig, danach bremst es dann nur noch den Spaß aus. Und eine Bösewichtin zu kreieren, die in ihrer ganzen Tragik viel Potenzial bietet, das jedoch von optischen Spielereien abgesehen null Komma null ausgeschöpft wird, ist geradezu fahrlässig. Damit hat es sich dann aber auch schon mit dem Gemecker: Der Film ist wie schon sein Vorgänger mit einer ganzen Menge bestens funktionierender Gags gespickt, auch die Action-Szenen, speziell in den Straßen von San Francisco, kommen überzeugend daher. Das geballte Slapstick-Feuerwerk sorgt dafür, dass die eigentlich nicht sonderlich originelle Handlung immer unterhaltsam bleibt.

 

(7 Sternchen)



#306 Armin

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Geschrieben 07 October 2018 - 17:42

Die Unglaublichen 2

 

14 Jahre sind angesichts der rasanten technischen Entwicklung gerade für einen Animationsfilm eine fast ewig lange Zeit. Trotzdem kann sich Brad Birds Superheldenspaß „Die Unglaublichen“ aus dem Jahr 2004 auch heute noch sehen lassen – das gilt für Optik, Handlung und Gags. Und so ist kein Schaden, dass die reichlich verspätete Fortsetzung direkt ans Original anschließt: inhaltlich, aber auch qualitativ.

 

Die Schlussszene des ersten Films wird zum Auftakt des neuen: Beim spektakulären Kampf mit dem „Tunnelgräber“ geht prompt eine ganze Menge zu Bruch. Damit haben sich Mr. Incredible, seine Frau Elastigirl und die Kinder Violet, Flash und Jack-Jack mal wieder gehörig in die Nesseln gesetzt, die allgemeine Ablehnung gegenüber Superhelden wird sogar noch größer. Selbst Geheimagent Rick Decker, der bislang schützend seine Hand über die Familie gehalten hat, kann ihnen nun nicht mehr helfen. Da kommt das Angebot der schwerreichen Unternehmergeschwister Winston und Evelyn Deavor gerade zur rechten Zeit. Sie wollen dafür sorgen, dass Superhelden wieder die ihnen gebührende Anerkennung erhalten. Zugpferd soll Elastigirl sein, die sich gleich mal einem Schurken namens „Screenslaver“ entgegenstellen darf, der mittels Massenhypnose für Ärger sorgt. Mr. Incredible kümmert sich derweil daheim um die lieben Kleinen: Mathe-Hausaufgaben, Liebeskummer und die überraschende Vielfalt an Superhelden-Fähigkeiten des jüngsten Familiensprosses stellen ihn vor eine noch viel größere Herausforderung.

 

Wenn man dem Film etwas vorwerfen muss, dann ist es sein eher lahmer Bösewicht, dessen Geheimnis nicht lange eins bleibt und der auch nach seiner Enttarnung kein wirkliches Prickeln hervorruft. Das macht das turbulente Geschehen auf der Leinwand aber gleich in mehrfacher Hinsicht wett: mit einer Menge großartiger Actionszenen, vielen zündenden Gags, einer ganzen Reihe neuer, origineller Superhelden und natürlich dem gar nicht so heimlichen Star des Films. Baby Jack-Jack stiehlt dem Rest der Familie beinahe mühelos die Show, ob nun mit der Verwandlung in einen Feuerteufel oder seinen grünen Laseraugen. Und natürlich gibt’s nicht nur Spaß, sondern auch mehr oder weniger subtil vermittelte Botschaften: Dazu zählt, dass in einem Film, der zeitlich in der McCarthy-Ära spielt, statt Kommunisten nun eben Superhelden gejagt werden; aber auch die konsequente Umkehrung der nicht nur damals herrschenden Rollenklischees, wenn dieses Mal mit Elastigirl eben die Frau die erste Geige spielt. Das Schöne daran: Das kann man mitnehmen, bekommt es aber nicht mit dem Holzhammer eingetrichtert und hat auch ohne tiefschürfendere Beigaben jede Menge Vergnügen mit dem Film.

 

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#307 Armin

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Geschrieben 09 October 2018 - 09:42

Venom

 

Den außerirdischen Symbionten Venom und seinen menschlichen Träger Eddie Brock kennen Superhelden-Fans wenn nicht aus den Comics, dann spätestens seit „Spider-Man 3“ (2007). Jetzt erhält er einen eigenständigen Film unter der Regie von Ruben Fleischer, der hier einen ähnlichen Tonfall wie in seiner Komödie „Zombieland“ (2009) einschlägt: Venom geht zwar alles anderes als zimperlich vor, das wird aber mit einem dermaßen nonchalanten Augenzwinkern präsentiert, dass auch ein abgebissener Kopf eher für Schmunzeln als für Grausen sorgt. Das ist einerseits unterhaltsam, leider aber auch ein bisschen kurz gegriffen: Moralische Fragen bleiben auf der Strecke – eigentlich ist Venom ein Bösewicht, hier wird er als Held inszeniert.

 

Der Journalist Eddie Brock (Tom Hardy) verliert seinen Job, als er dem skrupellosen Unternehmer Carlton Drake (Riz Ahmed) unangenehme Fragen stellt. Seine Verlobte Anne (Michelle Williams), deren Vertrauen er missbraucht und die zum allem Überfluss ebenfalls gefeuert wird, ist er dann auch gleich los. Dafür macht Brock die Bekanntschaft von Venom, in einem von Drakes Raumschiffen zusammen mit anderen Symbionten zur Erde gelangt. Deren Anführer, Riot genannt, plant nicht weniger als die Auslöschung der Menschheit.

 

Tom Hardy sorgt allein und im Duett mit seinem außerirdischen Partner für die humoristischen und actionreichen Höhepunkte des Films. Schade ist, dass die Macher nur wenig Zeit auf Brocks inneren Konflikt verwenden. Der arrangiert sich in der zweiten Filmhälfte nach anfänglichem Aufbäumen allzu schnell mit seiner Rolle als Träger des Symbionten, nimmt auch mehr oder weniger schwere Kollateralschäden billigend in Kauf. Diese ernsthaftere Komponente stärker herauszuarbeiten, hätten dem dennoch immer unterhaltsamen Film gut getan. Vielleicht passiert das ja in einer möglichen Fortsetzung.

 

(6 Sternchen)





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