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Film- & Serien-DB des SFN bald nicht mehr offline!


319 Antworten in diesem Thema

#301 Armin

Armin

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Geschrieben 13 May 2018 - 06:25

Rampage - Big meets bigger

 

Vermutlich kann man aus allem einen Film machen, auch aus dem Telefonbuch oder den Bedienungsanleitungen schwedischer Möbelhäuser. Definitiv geht das mit einem Videospiel aus den achtziger Jahren, dessen Handlung sich darin erschöpft, dass drei Monster eine Stadt in Schutt und Asche legen – und das in satten 768 Levels. Erstaunlicherweise ist „Rampage“ in der Filmversion nicht wesentlich komplexer angelegt. Regisseur Brad Peyton, der mit „San Andreas“ (2015) Erfahrung im Katastrophenfilmgenre gesammelt hat, setzt statt auf halbwegs intellektuellen Ballast lieber ganz auf seinen bewährten Hauptdarsteller Dwayne „The Rock“ Johnson und ein ausuferndes Effektespektakel.

 

Primatenforscher Davis Okoye (Johnson) hat eine rührende Freundschaft zu dem Albino-Gorilla George aufgebaut. Als dieser mit einer Substanz aus einem illegalen Genexperiment in Berührung kommt, wird der sanftmütige Affe zu einem tobsüchtigen Monster. Und George ist nicht allein, sondern bekommt Gesellschaft durch einen riesigen Wolf und ein ebenfalls verwandeltes Krokodil, das jetzt Godzilla ähnelt. Die drei machen sich auf nach Chicago, wo der für das Schlamassel verantwortliche Konzern der skrupellosen Claire Wyden (Malin Åkerman) und ihrem dämlichen Bruder Brett (Jake Lacy) seinen Sitz hat. Während alle Welt vergeblich versucht, die Monster zur Strecke zu bringen, will Okoye seinen Kumpel George retten und wird von Wissenschaftlerin Dr. Kate Caldwell (Naomie Harris) und dem Agenten Russell (Jeffrey Dean Morgan) unterstützt.

 

Wenn man sein Gehirn an der Kinokasse abgibt, kann man an „Rampage“ durchaus Spaß haben, zumindest eine Zeit lang. Auf Dauer wird die Zerstörungsorgie allerdings doch ziemlich ermüdend, da viel zu wenig Originelles passiert und auch die menschlichen Darsteller kaum Prickelndes beizutragen haben. Dass Wrestler „The Rock“ mehr Muskeln als Schauspieltalent hat, ist seit seinen frühen Gehversuchen als Scorpionkönig in „Die Mumie kehrt zurück“ (2000) hinlänglich bekannt. Naomie Harris hat man dagegen schon weniger sinnfrei agieren sehen, zum Beispiel als Moneypenny in zwei Bond-Filmen. Hier bleibt ihr leider nichts zu tun, außer dem strahlenden Helden durchs Getümmel hinterher zu stolpern. Eine großartige Szene hat der Film aber immerhin zu bieten: Wenn sich Brett Wyden in Sicherheit bringen will, offenbaren die Macher ganz kurz einen makabren Humor, den man sich öfter gewünscht hätte.

 

(4 Sternchen)



#302 Armin

Armin

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Geschrieben 21 May 2018 - 06:33

Deadpool 2

 

Deadpool ist die Anarcho-Variante des Superhelden: ein gnadenlos brutaler Söldner mit viel zu großem Mundwerk, der am liebsten gegen sämtliche Konventionen gleichzeitig verstößt. Sein Solo-Debüt auf der Leinwand, nach einem vorangegangenen Gastspiel in „X-Men Origins: Wolverine“ (2009), wurde trotz ausufernder Gewalt und Humors unterhalb der Gürtellinie zu einem überraschend großen Erfolg an den Kinokassen. Die Fortsetzung war quasi Pflicht und sie erfüllt die Erwartungen gleich in mehrfacher Hinsicht: Deadpool wird auch im zweiten Anlauf seine Fans begeistern und bei allen anderen für Kopfschütteln sorgen, die inhaltlichen Schwächen sind praktisch dieselben wie im ersten Film.

 

Dass Deadpool (Ryan Reynolds) einen Drogenboss ausnahmsweise nicht tötet, rächt sich, als dieser seine Freundin Vanessa (Morena Baccarin) umbringt. Halbwegs neuen Lebensmut schöpft der Söldner, nachdem ihn Colossus (Stefan Kapicic) und Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) als X-Men-Azubi rekrutiert haben. Das geht natürlich schief und Deadpool wandert zusammen mit dem Teenager-Mutanten Russell (Julian Dennison) ins Gefängnis. Dort taucht der aus der Zukunft stammende Cable (Josh Brolin) auf, mordlüstern und bis an die Zähne bewaffnet.

 

Wer eine intelligente Handlung erwartet, bleibt besser zu Hause. Alles, was auf der Leinwand passiert, dient nur dem Zweck, Stoff für Deadpools große Klappe zu liefern oder weitschweifende Zerstörungsorgien zu transportieren. Will man genau das hören und sehen, macht es mächtig Spaß, zumal der Streifen wie sein Vorgänger mit zahlreichen Anspielungen auf andere Filme – von „James Bond“ bis hin zu, natürlich, „Green Lantern“ – zum wahren Fest samt verspäteter Ostereiersuche für alle Nerds wird. Ryan Reynolds hat mit Deadpool seine Paraderolle gefunden, Josh Brolin verkörpert nach Thanos mit Cable auch den zweiten Marvel-Schurken sehr überzeugend. Der Rest des Personals ist mehr oder weniger Staffage, wobei man sich von einigen lustigen und unerwarteten Cameo-Auftritten überraschen lassen darf.

 

(7 Sternchen)



#303 Armin

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Geschrieben 27 May 2018 - 17:36

Solo: A Star Wars Story

 

Die Figur des Han Solo wird auf ewig mit Schauspieler Harrison Ford verbunden bleiben. Daran ändert auch die solide Vorstellung von Alden Ehrenreich („Hail, Caesar!“) als junge Ausgabe des legendären Weltraum-Schmugglers nichts. Der macht seine Sache ordentlich bis sympathisch und trotzdem erwartet man jeden Moment, dass der „echte“ Han Solo mit einem breiten Grinsen und einem flotten Spruch um die Ecke kommt, die Sache in die Hand nimmt und zu einem guten Ende führt. Das ist irgendwie symptomatisch für den ganzen Film: „Solo: A Star Wars Movie“ bietet nette Unterhaltung im Star-Wars-Universum mit den üblichen Ingredienzien – mehr aber leider nicht.

Zehn Jahre vor „Episode IV“: Han Solo muss von seiner Heimatwelt Correlia fliehen, seine Freundin Qi’ra (Emilia Clarke) zurücklassen und notgedrungen in die Dienste des Imperiums treten. Die Ausbildung zum Piloten währt aber nur kurz, bald findet sich der junge Draufgänger als Kanonenfutter im Schlamm eines unwichtigen Planeten mitten im imperialen Kampfeinsatz wieder. Hier trifft er nicht nur auf den Gauner Tobias Beckett (Woody Harrelson), sondern auch auf den Wookie Chewbacca (Joonas Suotamo). Man rauft sich zusammen und will gemeinsam einen Zug überfallen, der große Mengen des für Hyperraumantriebe benötigten Coaxiums transportiert, für das sich aber auch eine Diebestruppe um Enfys Nest (Lily Newmark) interessiert. Als Becketts Auftraggeber entpuppt der eiskalte Syndikatschef Dryden Vos (Paul Bettany). Und bald kommt auch der aalglatte Lando Calrissian (Donald Glover) ins Spiel, dank seiner Fertigkeiten mit den Karten stolzer Besitzer eines dringend benötigten Raumschiffs.

Die schwierige Entstehungsgeschichte, während der die ursprünglichen Regisseure Phil Lord und Christopher Miller („The Lego Movie“) gefeuert wurden und ihr Nachfolger Ron Howard („A Beautiful Mind“) gut siebzig Prozent des Films neu gedreht haben soll, sieht man dem Endergebnis glücklicherweise nicht an. „Solo“ wirkt durchaus wie aus einem Guss, kommt zwar etwas schwerfällig in die Gänge, findet dann aber seinen Ton und Erzählrhythmus. Die ganz große Spannung entsteht naturgemäß nicht, schließlich haben Han, Chewie und Lando im Serienuniversum ja noch weitere Auftritte. Die beste Action-Szene gibt’s mit dem klasse inszenierten Zugüberfall recht früh im Film, danach bezieht „Solo“ seinen Reiz vor allem aus der Frage, wer denn jetzt gerade wen übers Ohr haut. Das Ergebnis ist unterm Strich ein flottes Weltraumabenteuer, allerdings nicht das – längst unwahrscheinlich gewordene, aber immer noch erhoffte – Faszinosum wie die frühen „Star Wars“-Filme. Dass die Geschichte sich dann auch noch förmlich für Fortsetzungen aufdrängt, macht die Sache nicht besser.

 

(6 Sternchen)



#304 Armin

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Geschrieben 12 June 2018 - 06:46

Jurassic World: Das gefallene Königreich

 

Eigentlich war schon mit dem ersten (1993), spätestens aber mit dem zweiten „Jurassic Park“-Film (1997) alles gesagt, Teil drei hat nun wirklich niemand gebraucht. Umso überraschender kam vor drei Jahren die prinzipiell gelungene Renaissance der Dinosaurier daher: Mit eindrucksvollen Bildern, jeder Menge Action und einem Schuss Humor bot „Jurassic World“ zumindest ordentliche Popcorn-Unterhaltung für die Sommerzeit, die die Kinokassen einmal mehr klingeln ließ. Eine neuerliche Fortsetzung war deshalb wohl unvermeidlich, wirklich originelle Ideen haben sich die Macher aber leider nicht abgerungen. Vieles in der turbulenten ersten Hälfte erinnert stark an die „Vergessene Welt“, später wird es dann trotz einem endlich mal neuen Schauplatz sogar ziemlich langatmig und auch langweilig.

 

Nachdem der Freizeitpark Geschichte ist, könnten die Dinosaurier eigentlich in Ruhe und Frieden auf ihrer Insel leben. Doch dann bricht dort ein gewaltiger Vulkan aus, der die Frage aufwirft: Rettet man die Tiere oder sollten sie besser ein zweites Mal aussterben? Eli Mills (Rafe Spall), der sich um die Geschäfte von Milliardär Benjamin Lockwood (James Cromwell) kümmert, dem früheren Partner von Dino-Vater John Hammond, hat eigene Pläne: Er bringt Claire Dearing (Bryce Dallas Howard), die frühere Parkmanagerin, und Dino-Flüsterer Owen Grady (Chris Pratt) zurück auf die Insel. Vordergründig, um die Dinosaurier zu retten. Tatsächlich verfolgt er aber ganz andere Pläne. Das offenbart sich spätestens, als die Handlung verlagert wird – in Lockwoods Spukschloss-ähnliches Anwesen.

 

Statt Faszination über imposante Urzeitgiganten und großer Bildgewalt regiert in der zweiten Hälfte des Films von Regisseur Juan Antonio Bayona klaustrophobischer Grusel – oder würde regieren, wenn das Geschehen auf der Leinwand auch nur ansatzweise schlüssig wäre. Ein richtig müde in Szene gesetzter Bösewicht, die üblichen Versatzstücke samt neunmalklugem Kind (die von Isabella Sermon gespielte Lockwood-Enkelin Maisie), dem sattsam bekannten fanatischen Großwildjäger und Söldner (Ted Levine) sowie natürlich dem neusten Dino aus der Genküche; das prickelt leider nicht mal ansatzweise. Wo auf der Insel zumindest noch die Bilder mächtiger Dinosaurier überzeugen können, ist danach auch wegen der hanebüchenen Handlung nur noch Tristesse angesagt. Und trotzdem deutet das Ende auf eine weitere Fortsetzung hin – besser wäre, mal wieder zehn bis zwanzig Jahre Gras über die Dinos wachsen zu lassen.

 

(4 Sternchen)



#305 Armin

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Geschrieben 28 July 2018 - 07:23

Ant-Man and the Wasp

 

„Ant-Man“ war 2015 ein Überraschungserfolg aus den Marvel Studios, ein sympathischer Film mit einem sehr menschlichen Helden, der sich geschickt gegen den Trend seiner Superhelden-Kollegen stellte, alles noch ein Stück spektakulärer als zuvor zu gestalten. Da passt es gut, dass die Fortsetzung, erneut unter der Regie von Peyton Reed, recht zeitnah nach dem dramatischen Showdown des dritten „Avengers“-Streifens in die Kinos kommt und es hier, wenn auch mit Einschränkungen, wieder etwas geerdeter zugeht.

 

Weil er gegen das Sokovia-Abkommen verstoßen hat, sitzt Scott Lang (Paul Rudd) mit einer Fußfessel daheim seine Strafe ab, bespaßt seine Tochter Cassie (Abby Ryder Fortson) und lässt sich vom übereifrigen FBI-Agenten Woo (Randall Park) das Haus auf den Kopf stellen. Doch schon bald zwingen ihn die Ereignisse, das Ant-Man-Kostüm aufs Neue überzustreifen. Die eigentlich vor vielen Jahren im subatomaren Raum verschwundene Janet Van Dyne (Michelle Pfeiffer) taucht in einem sehr real wirkenden Traum auf. Das bringt Scott wieder mit Dr. Hank Pym (Michael Douglas) und Hope (Evangeline Lilly) zusammen, Ehemann und Tochter der Verschollenen, die nichts unversucht lassen, sie zu retten. Doch da ist auch die vom Schicksal schwer gezeichnete Ghost (Hannah John-Kamen), die auf Janets Kosten ihr eigenes Leben retten will. Bei so viel Dramatik sorgen neben ein paar kleinen Gaunern vor allem Scotts Freunde um Quasselstrippe Luiz (Michael Peña) für komödiantische Auflockerung.

 

Zwei Dinge kann man „Ant-Man and the Wasp“ negativ ankreiden: Das pseudowissenschaftliche Gequatsche, das sich immer wieder einschleicht, ist genau einmal lustig, danach bremst es dann nur noch den Spaß aus. Und eine Bösewichtin zu kreieren, die in ihrer ganzen Tragik viel Potenzial bietet, das jedoch von optischen Spielereien abgesehen null Komma null ausgeschöpft wird, ist geradezu fahrlässig. Damit hat es sich dann aber auch schon mit dem Gemecker: Der Film ist wie schon sein Vorgänger mit einer ganzen Menge bestens funktionierender Gags gespickt, auch die Action-Szenen, speziell in den Straßen von San Francisco, kommen überzeugend daher. Das geballte Slapstick-Feuerwerk sorgt dafür, dass die eigentlich nicht sonderlich originelle Handlung immer unterhaltsam bleibt.

 

(7 Sternchen)



#306 Armin

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Geschrieben 07 October 2018 - 17:42

Die Unglaublichen 2

 

14 Jahre sind angesichts der rasanten technischen Entwicklung gerade für einen Animationsfilm eine fast ewig lange Zeit. Trotzdem kann sich Brad Birds Superheldenspaß „Die Unglaublichen“ aus dem Jahr 2004 auch heute noch sehen lassen – das gilt für Optik, Handlung und Gags. Und so ist kein Schaden, dass die reichlich verspätete Fortsetzung direkt ans Original anschließt: inhaltlich, aber auch qualitativ.

 

Die Schlussszene des ersten Films wird zum Auftakt des neuen: Beim spektakulären Kampf mit dem „Tunnelgräber“ geht prompt eine ganze Menge zu Bruch. Damit haben sich Mr. Incredible, seine Frau Elastigirl und die Kinder Violet, Flash und Jack-Jack mal wieder gehörig in die Nesseln gesetzt, die allgemeine Ablehnung gegenüber Superhelden wird sogar noch größer. Selbst Geheimagent Rick Decker, der bislang schützend seine Hand über die Familie gehalten hat, kann ihnen nun nicht mehr helfen. Da kommt das Angebot der schwerreichen Unternehmergeschwister Winston und Evelyn Deavor gerade zur rechten Zeit. Sie wollen dafür sorgen, dass Superhelden wieder die ihnen gebührende Anerkennung erhalten. Zugpferd soll Elastigirl sein, die sich gleich mal einem Schurken namens „Screenslaver“ entgegenstellen darf, der mittels Massenhypnose für Ärger sorgt. Mr. Incredible kümmert sich derweil daheim um die lieben Kleinen: Mathe-Hausaufgaben, Liebeskummer und die überraschende Vielfalt an Superhelden-Fähigkeiten des jüngsten Familiensprosses stellen ihn vor eine noch viel größere Herausforderung.

 

Wenn man dem Film etwas vorwerfen muss, dann ist es sein eher lahmer Bösewicht, dessen Geheimnis nicht lange eins bleibt und der auch nach seiner Enttarnung kein wirkliches Prickeln hervorruft. Das macht das turbulente Geschehen auf der Leinwand aber gleich in mehrfacher Hinsicht wett: mit einer Menge großartiger Actionszenen, vielen zündenden Gags, einer ganzen Reihe neuer, origineller Superhelden und natürlich dem gar nicht so heimlichen Star des Films. Baby Jack-Jack stiehlt dem Rest der Familie beinahe mühelos die Show, ob nun mit der Verwandlung in einen Feuerteufel oder seinen grünen Laseraugen. Und natürlich gibt’s nicht nur Spaß, sondern auch mehr oder weniger subtil vermittelte Botschaften: Dazu zählt, dass in einem Film, der zeitlich in der McCarthy-Ära spielt, statt Kommunisten nun eben Superhelden gejagt werden; aber auch die konsequente Umkehrung der nicht nur damals herrschenden Rollenklischees, wenn dieses Mal mit Elastigirl eben die Frau die erste Geige spielt. Das Schöne daran: Das kann man mitnehmen, bekommt es aber nicht mit dem Holzhammer eingetrichtert und hat auch ohne tiefschürfendere Beigaben jede Menge Vergnügen mit dem Film.

 

(8 Sternchen)



#307 Armin

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Geschrieben 09 October 2018 - 09:42

Venom

 

Den außerirdischen Symbionten Venom und seinen menschlichen Träger Eddie Brock kennen Superhelden-Fans wenn nicht aus den Comics, dann spätestens seit „Spider-Man 3“ (2007). Jetzt erhält er einen eigenständigen Film unter der Regie von Ruben Fleischer, der hier einen ähnlichen Tonfall wie in seiner Komödie „Zombieland“ (2009) einschlägt: Venom geht zwar alles anderes als zimperlich vor, das wird aber mit einem dermaßen nonchalanten Augenzwinkern präsentiert, dass auch ein abgebissener Kopf eher für Schmunzeln als für Grausen sorgt. Das ist einerseits unterhaltsam, leider aber auch ein bisschen kurz gegriffen: Moralische Fragen bleiben auf der Strecke – eigentlich ist Venom ein Bösewicht, hier wird er als Held inszeniert.

 

Der Journalist Eddie Brock (Tom Hardy) verliert seinen Job, als er dem skrupellosen Unternehmer Carlton Drake (Riz Ahmed) unangenehme Fragen stellt. Seine Verlobte Anne (Michelle Williams), deren Vertrauen er missbraucht und die zum allem Überfluss ebenfalls gefeuert wird, ist er dann auch gleich los. Dafür macht Brock die Bekanntschaft von Venom, in einem von Drakes Raumschiffen zusammen mit anderen Symbionten zur Erde gelangt. Deren Anführer, Riot genannt, plant nicht weniger als die Auslöschung der Menschheit.

 

Tom Hardy sorgt allein und im Duett mit seinem außerirdischen Partner für die humoristischen und actionreichen Höhepunkte des Films. Schade ist, dass die Macher nur wenig Zeit auf Brocks inneren Konflikt verwenden. Der arrangiert sich in der zweiten Filmhälfte nach anfänglichem Aufbäumen allzu schnell mit seiner Rolle als Träger des Symbionten, nimmt auch mehr oder weniger schwere Kollateralschäden billigend in Kauf. Diese ernsthaftere Komponente stärker herauszuarbeiten, hätten dem dennoch immer unterhaltsamen Film gut getan. Vielleicht passiert das ja in einer möglichen Fortsetzung.

 

(6 Sternchen)



#308 Armin

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Geschrieben 21 November 2018 - 08:33

Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen

 

Nachschub für die Fans von Harry Potter: Mit der Reihe „Phantastische Tierwesen“, der kein Roman, sondern ein fiktives Tierlexikon zugrunde liegt, wird die Welt des berühmten Zauberlehrlings weiter erkundet, allerdings zeitlich vor den bekannten Abenteuern. Joanne K. Rowling, hier für die Drehbücher verantwortlich, macht das insofern geschickt, als dass sie zahlreiche Verbindungen zu Personen und Schauplätzen der Potter-Bücher knüpft, was natürlich die Fan-Herzen höherschlagen lässt. Wäre die Handlung des zweiten von fünf geplanten „Tierwesen“-Filmen ähnlich gewitzt, könnte sich auch der etwas neutralere Zuschauer dafür begeistern. Das ist aber leider nicht der Fall.

 

In „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ (2016) hatte Newt Scamander (Eddie Redmayne), der in seinem Koffer die titelgebenden Fabelwesen mit sich herumschleppt, den schurkischen Zauberer Gellert Grindelwald (Johnny Depp) zur Strecke gebracht. Der versucht – wo Frau Rowling nur immer diese Inspirationen hernimmt? – weitere Magier auf die dunkle Seite der Macht zu ziehen. Der junge Albus Dumbledore (Jude Law), hier schon Lehrer in Hogwarts, wendet sich an seinen ehemaligen Schüler Scamander, da er selbst aufgrund eines alten Schwurs nichts gegen Grindelwald unternehmen kann. Beim sich quälend langsam aufbauenden Showdown in Paris sind dann auch die bereits aus dem ersten Film bekannten Tina Goldstein (Katherine Waterston), ihre Schwester Queenie (Alison Sudol), Jacob Kowalski (Dan Fogler) und der tot geglaubte Credence Barebone (Ezra Miller) vor Ort.

 

David Yates, für einige der schwächsten Harry-Potter-Filme verantwortlich (nämlich „Orden des Phönix“ und „Halbblutprinz“), darf wie schon beim Vorgänger erneut Regie führen, macht seine Sache aber wieder einmal nicht sonderlich gut. Ja, es gibt jede Menge Action, die auch optisch etwas hermacht, es gibt wahlweise knuffige oder eindrucksvolle Tierwesen zu bestaunen und es gibt die Querverweise zu den Potter-Büchern. Woran es aber fehlt, das sind interessante Figuren – Scamander, immerhin von Redmayne überzeugend verkörpert, als neuer Harry Potter und Grindelwald als neuer Voldemort sind das schon mal nicht, der Rest des fast schon unüberschaubar großen Personals bleibt blass und austauschbar. Durch die eher wirre Handlung will dann auch nicht so recht Spannung entstehen – da wimmelt es von ermüdenden Erklär-Monologen, Zauberstab-Duellen und eben Tierwesen, die aus dem Koffer klettern und mal eben den Tag retten. Das ist ziemlich langweilig.

 

(3 Sternchen)



#309 Armin

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Geschrieben 17 December 2018 - 07:58

Spider-Man: A New Universe

 

„Es gibt nur einen Spider-Man“, sagt Peter Parker gleich zu Beginn, wird aber rasch widerlegt. Was Comic-Fans schon lange wissen, spricht sich jetzt auch unter Kinogängern herum: Im Multiversum hat jede Dimension ihren eigenen Spider-Man. Im Animationsfilm „Spider-Man: A New Universe“ trifft deshalb gleich ein halbes Dutzend der freundlichen Spinnen aus der Nachbarschaft aufeinander. Das Ergebnis: ein Heidenspaß mit jeder Menge an Querverweisen auf die bisherigen sechs Spider-Man-Realfilme, aber auch auf Comics und Fernsehserien. Das ist nicht nur paradiesisch für Fans, sondern sollte dank einer rasanten Handlung auch neutralere Zuschauer begeistern – und zwar deutlich eher Erwachsene als Kinder, die mit vielen der Anspielungen überfordert sein könnten.

 

Miles Morales ist ein typischer Teenager mit den typischen Problemen. Bis er von einer radioaktiven Spinne gebissen wird und zufällig zum Beobachter eines Kampfs zwischen Peter Parker/Spider-Man und dem Grünen Kobold sowie dem Superschurken Kingpin wird. Peter wird getötet, Kingpin öffnet ein Tor in andere Dimensionen und plötzlich wimmelt es rund um Miles an Spinnen-Variationen: Da ist der schon etwas ältere und leicht außer Form geratene Peter B. Parker, Peni Parker sorgt mit ihrem Spider-Man-Roboter für typisch japanische Anime-Elemente, Gwen Stacy ist ein cooles Spider-Girl, Spider-Man Noir stammt aus einer Schwarz-weiß-Welt und Spider-Ham wurde nicht von einer Spinne, sondern von einem Schwein gebissen. Die schräge Truppe rauft sich zusammen und macht gemeinsame Sache gegen den Bösewicht, der seinerseits eine ganze Reihe von Spider-Man-Erzfeinden wie Dr. Octopus oder den Prowler auffährt.

 

Mit Peter Ramsey („Die Hüter des Lichts“), Bob Persichetti und Rodney Rothman hat der Film gleich drei Regisseure, die auch stilistisch auf Vielfalt setzen. Die Palette reicht nicht zuletzt dank der sehr unterschiedlichen Figuren von extrem realistisch wirkenden Szenen bis zu kunterbunten, regelrecht abgedrehten Comic-Momenten, die von einer Fülle an Gags unterfüttert werden, sodass es nie langweilig wird. Eine gelungene Ergänzung des Spider-Man-Kosmos.

 

(7 Sternchen)



#310 Armin

Armin

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Geschrieben 23 December 2018 - 07:49

Aquaman

 

Die Figur des Aquaman war einer der Lichtblicke im Superhelden-Spektakel „Justice League“ (2017). Mit seinem ersten Solo-Film unterfüttert der Herrscher der Meere den positiven Eindruck. „Aquaman“ lässt die oft schwerfällige Ernsthaftigkeit des DC-Filmuniversums hinter sich, erhöht den Humor-Anteil gegenüber den Vorgängerfilmen deutlich und erzählt locker-leicht eine wild zusammen fabulierte Geschichte, die zwar auch ihre Durchhänger hat, aber insgesamt ein sehenswertes Spektakel bietet.

 

Leuchtturmwärter Tom Curry (Temuera Morrison) rettet der Meeresbewohnerin Atlanna (Nicole Kidman) das Leben. Die wird als künftige Königin von Atlantis unfreiwillig nach Hause zurückbeordert, Söhnchen Arthur aber wächst bei seinem Vater zum mächtigen Aquaman (Jason Momoa) heran. Der fühlt sich sowohl an Land als auch im Wasser pudelwohl, nur auf sein königliches Erbe verspürt er keinerlei Lust, trotz aller Anstrengungen seines väterlichen Freunds Vulko (Willem Dafoe), ihm eine Zukunft in Atlantis schmackhaft zu machen. Das ändert sich erst, als Arthurs Halbbruder Orm (Patrick Wilson) seine Macht in den Unterwasser-Reichen ausdehnt und auch der Oberwelt den Krieg erklärt. Nicht zuletzt Prinzessin Mera (Amber Heard), Tochter des xebelianischen Königs Nereus (Dolph Lundgren), motiviert Aquaman, sich seinem Schicksal zu stellen. Mit dem Piraten Black Manta (Yahya Abdul-Mateen II) hat er einen weiteren kreuzgefährlichen Gegenspieler.

 

Regisseur James Wan, bisher hauptsächlich im Horror-Genre („Saw“, „Insidious“) unterwegs, hat offenkundig seine helle Freude an den optischen Spielereien aus den Effekte-Computern und erschafft eine fantastische, manchmal auch etwas überladene und dadurch wirr wirkende Unterwasser-Welt. Die Story ist eine wilde Queste nach einem à la Excalibur Macht verleihenden Dreizack, aufgelockert durch allerlei nett choreografierte Prügeleien, mit einem DC-typischen, epischen Finale, das glücklicherweise aber nicht gar so aufgebläht wie beispielsweise in „Man of Steel“ (2013) daherkommt, sondern etwas bodenständiger bleibt. Insgesamt nimmt sich „Aquaman“ nicht zu ernst, das ist gerade bei einer Comic-Verfilmung sehr wohltuend und trägt viel dazu, dass der Film unterhaltsamen Popcorn-Spaß bietet.

 

(7 Sternchen)



#311 lapismont

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Geschrieben 23 December 2018 - 10:53

Das war dann wohl der letzte DB-Eintrag für dieses Jahr?

Hab ihn gleich übernommen: https://fantasyguide.de/aquaman.html


Überlicht und Beamen wird von Elfen verhindert.
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#312 Armin

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Geschrieben 24 December 2018 - 16:16

Bumblebee kommt noch. Morgen oder übermorgen.



#313 lapismont

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Geschrieben 24 December 2018 - 20:30

Bumblebee kommt noch. Morgen oder übermorgen.

Du machst mich fertig


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#314 Armin

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Geschrieben 26 December 2018 - 19:57

Du machst mich fertig

 

Da kommt er dann auch schon:

 

Bumblebee

 

Überraschung: Es gibt einen „Transformers“-Film, der sich die Prädikate „sympathisch“ und „bescheiden“ verdient. Während die fünf Michael-Bay-Filme zwischen 2007 und 2017 noch das genaue Gegenteil waren, ist „Bumblebee“ unter der Regie von Travis Knight ein echter Lichtblick. Ob man den Film nun als Prequel oder Spin-off der Hauptreihe ansieht, spielt eigentlich keine Rolle, wichtiger ist, dass es von allem deutlich weniger gibt: weniger Materialschlachten, weniger monströse Roboter, weniger sinnfreie Handlungswendungen. Und genau das ist ein echter Gewinn, obwohl natürlich auch „Bumblebee“ nicht ganz frei von Schwächen ist.

 

Der Film blickt zurück zum Höhepunkt der Auseinandersetzungen zwischen den guten Autobots und den bösen Decepticons, dem Kampf um Cybertron. Die endgültige Niederlage vor Augen, schickt Autobot-Anführer Optimus Prime seinen jungen Soldaten B-127 zur Erde, um dort eine Basis für den Widerstand aufzubauen. Doch B-127 fällt prompt einer Spezialeinheit des Militärs unter der Leitung von Jack Burns (John Cena) vor die Füße, die außerirdische Aktivitäten überwacht und ihn gefangen nehmen will. Und auch die Decepticons dürfen nicht fehlen: Blitzwing zerstört sein Sprachsystem und löscht Teile seiner Erinnerung. Bumblebee kann fliehen, landet aber schwer angeschlagen als verstaubter VW Käfer auf dem Schrottplatz. Dort entdeckt ihn die gerade 18 gewordene Charlie Watson (Hailee Steinfeld), die sich ohnehin sehnlichst ein Auto wünscht und von ihrem verstorbenen Vater das Talent als Mechanikerin geerbt hat. Bald sieht sie sich aber keinem reparaturbedürftigen Auto, sondern dem quicklebendigen Autobot gegenüber, den sie auf den Namen „Bumblebee“ tauft. Natürlich sind die Decepticons nicht weit, Charlie und ihr Nachbar Memo (Jorge Lendeborg Jr.) werden in die Auseinandersetzung mit hineingezogen.

 

„Bumblebee“ spielt 1987 und die Macher lassen keinen Zweifel daran, dass sie die Zuschauer mit aller Macht in die achtziger Jahre zurückversetzen wollen: Die Musik ist an manchen Stellen einen Tick zu laut (wobei man viel Verständnis für den Autobot aufbringt, als er eine Rick-Astley-Kassette nach wenigen Takten gnadenlos ausspuckt), die Klamotten sind so authentisch, dass es einem regelrecht peinlich wird, in diesem Jahrzehnt gelebt zu haben. Dazu hängt ein Ronald-Reagan-Porträt an der Wand und im Fernsehen läuft „Alf“, Bumblebee als Käfer lässt an Dudu und Herbie denken – die Kulisse stimmt. Die Handlung ist ähnlich altmodisch gestrickt, was gerade im Vergleich zu den bisherigen „Transformers“-Filmen und ihren törichten Kapriolen äußerst wohltuend ist, wenn auch ein wenig mehr Raffinesse sicher nicht geschadet hätte. Dafür beschränkt sich auch die Action glücklicherweise aufs Notwendige: Das sieht immer noch gut aus, kommt aber nicht so restlos übertrieben wie in den diversen „Transformers“-Zerstörungsorgien daher. Insgesamt ein überraschend charmanter Film.

 

(6 Sternchen)



#315 lapismont

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Geschrieben 28 December 2018 - 09:25

https://fantasyguide.de/bumblebee.html

Na, dann: Viel Spaß mit den phantastischen Filmen des nächsten Jahres!


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#316 Armin

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Geschrieben 21 January 2019 - 22:19

Glass

 

M. Night Shyamalan hat nach dem so verheißungsvollen Start seiner Karriere („The Sixth Sense“, „Unbreakable“) eine ganze Reihe richtig schlechter Filme zu verantworten. Zuletzt waren das das Science-Fiction-Debakel „After Earth“ (2013) und der belanglos-ärgerliche Horrorstreifen „The Visit“ (2015). Mit dem spannenden Psychothriller „Split“ (2017) scheint der Regisseur aber noch einmal die Kurve gekriegt zu haben. Für Aufsehen sorgte neben dem gelungenen Film nicht zuletzt, dass die Abspannszene einen Zusammenhang mit „Unbreakable“ (2000) herstellte. Das setzt Shyamalan nun konsequent fort: In „Glass“ verknüpft er Personen und Geschehen beider Filme und schafft einen unerwarteten, nicht restlos gelungenen Abschluss dessen, was der Regisseur selbst „Eastrail 177“-Trilogie (nach dem Zugunglück im Auftaktfilm) nennt.

 

David Dunn (Bruce Willis) weiß seit diesem verheerenden Unfall, dass er unverwundbar ist, ähnlich wie ein Comic-Superheld. In einem Fernsehbericht erfährt er von den Taten Kevin Wendell Crumbs (James McAvoy), der unter einer dissoziativen Identitätsstörung leidet, die ihm gleich 24 verschiedene Persönlichkeiten bescherte. In der Vergangenheit hat er immer wieder Mädchen entführt und getötet. Dunn, kostümiert mit einem Regenmantel und von der lokalen Presse mit dem Superhelden-Alias „The Overseer“ (Der Aufpasser) versehen, geht schon länger auf die Jagd nach Menschen, die seiner Meinung nach eine Bestrafung verdienen. Er findet schließlich auch Crumb, doch der Kampf zwischen dem eigentlich unbesiegbaren Dunn und der tierhaften „Bestie“, Crumbs brutalster Identität, endet auf unerwartete Weise. Beide landen in einer psychiatrischen Klinik, in der Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson) sie davon überzeugen will, gar keine übernatürlichen Fähigkeiten zu haben. Und die Klinik hat noch einen anderen Patienten: Den Mr. Glass genannten Elijah Price (Samuel L. Jackson), der wegen einer unheilbaren Knochenkrankheit im Rollstuhl sitzt und schon sein ganzes Leben lang an die Existenz von Superhelden glaubt.

 

War „Unbreakable“ Shyamalans persönliche Liebeserklärung an die Superhelden-Comics, nutzt er, nachdem „Split“ ja lange deutlich realistischer daherkam, auch hier die Eigenheiten dieses Genres. Das funktioniert mal besser – wenn Glass die Regie übernimmt und bei zahlreichen Anspielungen auf die Comicwelt –, mal weniger gut. Denn vor allem Bruce Willis’ unverwundbarer David Dunn wirkt doch arg müde und wenig übermenschlich, gerade auch im Vergleich zur überbordenden Vitalität des von James McAvoy erneut großartig gespielten Crumb, der ebenso wild wie absolut überzeugend zwischen seinen so verschiedenen Persönlichkeiten hin und her springt.

 

Dass ausgerechnet die neu zum Personal hinzugestoßene Psychiaterin, die eigentlich eine wichtige Rolle einnehmen soll, für deutlich mehr Fragezeichen als Erhellung sorgt, ist schade. Dafür geht der Regisseur wieder einmal seinem Markenzeichen, der unerwarteten Wendung, mehr als nur einmal nach: Deshalb liefert er auch ein Finale, das sämtlichen Erwartungen widersprechen dürfte. Kein schlechter Film, aber in der nicht immer geglückten, weil auch schwierigen Kombination der verschiedenen Elemente doch der schwächste der Trilogie.

 

(5 Sternchen)



#317 Armin

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Geschrieben 29 January 2019 - 07:09

Chaos im Netz

 

Wir erinnern uns: In „Ralph reicht’s“ (2012) hat Randale-Ralph, Bösewicht eines an „Donkey Kong“ erinnernden Arcade-Spiels, die Welt der für die achtziger Jahre so typischen Videospiele munter auf den Kopf gestellt: ein großartiger Animationsfilm mit vielen witzigen Ideen. Dass ausgerechnet die Marketing-Genies des Disney-Konzerns im deutschen Titel der Fortsetzung ihre Hauptfigur vergessen haben, ist dann auch schon der einzige Vorwurf, den man „Chaos im Netz“ machen kann. Denn da entdecken Ralph und seine Freundin, Rennfahrerin Vanellope, die weite Welt des Internets. Ihr Versuch, Vanellopes Spiel zu retten, indem sie bei E-Bay ein neues Lenkrad für den Automaten ersteigern, führt zu immer kurioseren Verstrickungen: ob Ralph als neuer Youtube-Star, Vanellopes Begeisterung für das knallharte Rennspiel „Slaughter Race“ oder ihre Begegnung mit sämtlichen Disney-Prinzessinnen der Filmgeschichte von Schneewittchen bis Merida – die Fülle der grandiosen Einfälle nimmt kein Ende und sorgt für ein Vergnügen in Dauerschleife. Dazu kommen viele kleine Details (wer rechnet schon mit dem Cameo-Auftritt von Stan Lee?) und bestens in Bilder umgesetzte Internet-Eigenheiten wie Suchmaschinen oder Pop-ups. Hier kommen auch Erwachsene auf ihre Kosten, jüngere Zuschauer könnten fast überfordert sein.

 

(7 Sternchen)



#318 Armin

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Geschrieben 10 February 2019 - 10:55

Drachenzähmen leicht gemacht 3

 

Alles hat ein Ende, auch die unterhaltsame Saga um die Drachenreiter von Berk. Nachdem schon die Fernsehserie (zuletzt unter dem Titel „DreamWorks Dragons“ zu sehen) ihr Finale erreicht hat, soll jetzt auch der dritte Kinofilm der letzte sein. Und selbst wenn die Fans deshalb das eine oder andere Tränchen verdrücken, ist das sicher die richtige Entscheidung: Denn „Drachenzähmen leicht gemacht 3“ bietet inhaltlich wenig Neues, die Parallelen zur Handlung des Vorgängers (2014) sind unübersehbar. Trotzdem ist der Animationsfilm ein guter, immer noch würdiger Abschluss der 2010 begonnenen Reihe.

 

Der Bösewicht heißt nun nicht mehr Drago Blutfaust, sondern Grimmel, er ist kein Drachenfänger, sondern will die Tiere gleich töten. Ganz besonders hat er es auf den letzten Nachtschatten abgesehen, Hicks’ Ohnezahn. Dafür zieht er alle Register und setzt sogar einen ebenso seltenen Tagschatten auf den Drachen an. Prompt verliebt sich Ohnezahn in sein weibliches Pendant, während Hicks, seine Freundin Astrid und ihre chaotischen Wikinger-Freunde verzweifelt versuchen, die Drachen vor ihren Häschern zu retten.

 

Regisseur Dean DeBlois (im ersten Teil noch gemeinsam mit Chris Sanders verantwortlich) hat ein Händchen für Details: Wenn ganze Drachenherden den Himmel erobern, gibt es für den Zuschauer jede Menge zu entdecken, auch viele andere Passagen stecken voller kleiner und großer Bonbons fürs Auge. Das gilt ebenso für die Actionszenen, die visuell absolut überzeugend auf die Leinwand gebracht werden. Köstlich ist Ohnezahns Liebeswerben. Schwächen entpuppt der Film in der arg vorhersehbaren Handlung – da will den Machern wohl einfach nichts mehr Überraschendes einfallen. Dafür werden die ernsten Themen erneut nicht ausgespart. Im Vorgängerfilm war das der Tod von Hicks’ Vater, auch jetzt gibt es ähnlich emotionale Momente, so viel sei verraten.

 

(7 Sternchen)



#319 Armin

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Geschrieben 11 February 2019 - 08:18

The Lego Movie 2

 

Ein Film mit Lego-Figuren? Eigentlich eine bescheuerte Idee und natürlich reines Marketing für die Spielzeugindustrie. Aber es kann tatsächlich funktionieren: „The Lego Movie“ (2014) war nicht nur für Kinder ein Heidenspaß, der Ableger „The Lego Batman Movie“ (2017) ebenfalls ein echtes Vergnügen. In beiden Fällen vor allem dank zahlreicher Anspielungen auf bekannte Bücher, Serien und Filme, die immer wieder zum Schmunzeln einladen. Davon lebt nun auch „The Lego Movie 2“, allerdings ist die Handlung diesmal noch deutlich dünner gestrickt, sodass dem Geschehen gleich mehrfach die Luft auszugehen droht und sich die Zeit bis zum Finale doch unangenehm ausdehnt.

 

Phil Lord und Chris Miller haben zwar noch die Story entworfen, die Regie-Verantwortung aber an Mike Mitchell („Trolls“) weitergereicht. Der konfrontiert die Lego-Helden Emmet und Lucy mit einer neuen Herausforderung: Die böse Königin aus dem Duplo-Reich zerstört die schöne Lego-Stadt. Als sie dann auch noch Emmets Freunde entführen lässt, macht er sich auf, diese zu retten.

 

Manches nutzt sich dann halt doch ab: Statt einem Liedchen („Alles ist so super ...“), das so sehr nervt, dass es schon wieder lustig ist, wird jetzt gefühlt ständig gesungen, Batmans selbstherrliche Macho-Attitüde gerät arg repetitiv und auch der eigentliche Konflikt ist letztlich nur eine Randnotiz und nullkommanull spannend. Zum Kontrast gibt es dann großartige Einfälle wie den durch Lüftungsschächte kriechenden Lego-Bruce-Willis („ich bin häufiger hier“) – das stimmt versöhnlich, rettet den Film aber nur ins Mittelmaß.

 

(4 Sternchen)



#320 Armin

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Geschrieben 17 February 2019 - 07:32

Alita: Battle Angel

 

Der japanische Cyberpunk-Manga „Battle Angel Alita“ stammt zwar bereits aus dem Jahr 1991, ist aber keineswegs angestaubt. Die Geschichte von Yukito Kishiro bietet genügend Zutaten für einen bildgewaltigen, spannenden Science-Fiction-Film. Nachdem dafür James Cameron („Avatar“) fast zwanzig Jahre lang Pläne schmiedete, ist er nun nur noch am Drehbuch beteiligt, während Robert Rodriguez („Sin City“) Regie führt. Das Ergebnis unter dem Titel „Alita: Battle Angel“ ist zwar optisch überzeugend, inhaltlich leider weniger.

 

Der Arzt Dyson Ido (Christoph Waltz) findet in der heruntergekommenen Stadt Iron City auf einer gigantischen Müllkippe den Kopf eines weiblichen Cyborgs, den er nicht nur mit einem neuen Körper ausrüstet, sondern auch auf den Namen Alita (Rosa Salazar) tauft. Die entdeckt schnell ihre besonderen Fähigkeiten und versucht sich als Kopfgeldjägerin und im Motorball, einer brutalen Mischung aus Inline-Skate-Rennen und Gladiatorenkampf. Erschwerend kommt hinzu, dass sie sich in Hugo (Keean Johnson) verliebt, der ausgerechnet für Bösewicht Vector (Mahershala Ali) arbeitet. Hugos Ziel: Er möchte irgendwann in der schicken Himmelsstadt Zalem leben, die gut sichtbar über Iron City schwebt, für den Normalsterblichen aber trotzdem unerreichbar bleibt. Und auch Alita, die nach Erinnerungen an ihr früheres Leben sucht, scheint Verbindungen zur Himmelsstadt zu haben.

 

Optisch ist „Alita: Battle Angel“ über jeden Zweifel erhaben: Das fängt beim ungewöhnlichen Look der Titelheldin an, mit ihren an die Manga-Vorlage erinnernden, unnatürlich großen Augen, geht über die vielen fantasievoll gestalteten, künstlichen Körper der unterschiedlichen Bewohner Iron Citys und bis hin zu den großartig in Szene gesetzten Motorball-Wettkämpfen, die für ordentlich Action und Dynamik sorgen.

 

Die Kehrseite: Alitas Coming-of-Age-Geschichte, die auch viele ruhigere Momente beinhaltet, ist weit weniger eindrucksvoll gelungen. Das gilt zum Beispiel für ihren Ziehvater Ido und seine arg naive, idealistische Weltsicht, deren spät nachgeschobene Begründung nicht wirklich überzeugen kann. Eine undankbare Rolle für Christoph Waltz, der kaum Akzente setzen kann. Alita selbst wirkt ebenfalls schwerlich plausibel, zu groß ist die Diskrepanz zwischen dem unschuldigen „Kind“ und der gnadenlosen Killer-Maschine. Auch die Frage, wer denn da nun im Hintergrund die Fäden zieht, will gar nicht so interessant erscheinen. Dementsprechend gelingt es dem Film nicht, das ganz große Drama zu entfalten, das eigentlich in seiner Geschichte steckt. Statt den Zuschauer emotional richtig zu packen, kommt vieles zu aufgesetzt wirkend, aber inhaltsleer daher. Das ist schade, aus diesem Stoff hätte man deutlich mehr machen können.

 

(5 Sternchen)





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