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Film- & Serien-DB des SFN bald nicht mehr offline!


337 Antworten in diesem Thema

#331 Armin

Armin

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Geschrieben 24 June 2019 - 07:58

Brightburn: Son of Darkness

 

Manchmal läuft es einfach gut: Dann fällt das außerirdische Kleinkind genau an der Stelle vom Himmel, an der ein liebevolles Farmer-Ehepaar nur auf einen Sprössling gewartet hat, er verbringt eine unbeschwerte Jugend, lernt nebenbei seine übernatürlichen Fähigkeiten kennen, ohne weiteres Unheil anzurichten, und entwickelt sich zu einem Menschenfreund, der so unbesiegbar stark und gutherzig gleichermaßen ist, dass man schon fast nicht mehr neidisch sein möchte. Ja, das hat bei Kal-El, auf der Erde als Clark Kent und Superman bekannt, prächtig funktioniert. Aber wie sieht es bei Brandon Breyer aus? Der Horrorfilm „Brightburn: Son of Darkness“ präsentiert die Antwort.

 

Als Zwölfjähriger zeigt der in Brightburn, nicht Smallville, in Kansas aufgewachsene Brandon (Jackson A. Dunn) die ersten Auffälligkeiten. Von der gebrochenen Hand einer Mitschülerin über das Massaker im Hühnerstall bis hin zu seinem ersten schaurigen Mord geht es dann aber rasend schnell. Während seine Pflegeeltern Tori (Elizabeth Banks) und Kyle (David Denman) blauäugig Auswirkungen der Pubertät vermuten, hört er tatsächlich Stimmen im Kopf. Die befehlen ihm, die Herrschaft über die Welt zu übernehmen, also fängt er in Brightburn schon mal damit an.

 

Regie-Neuling David Yarovesky fährt die gar nicht uninteressante Geschichte relativ zügig an die Wand. Vielleicht hätte er sich bei Produzent James Gunn („Guardians of the Galaxy“), aus dessen Verwandtschaft das Drehbuch stammt, nach einem vernünftigen Spannungsaufbau erkundigen sollen, nach Figuren, die das Mitgefühl des Zuschauers erwecken, und nach einigem mehr. Das hat er offenkundig nicht getan und so ist schon nach wenigen Minuten klar, wohin die Reise geht: Der böse Junge mit den Superhelden-Kräften will alle umbringen, die dämlichen Eltern begreifen grundsätzlich erst alles, wenn es zu spät ist. Das ist auch für einen Horrorfilm ziemlich dünn, der zudem selbst mit seinen drastischeren Bildern oder Schockmomenten nicht wirklich gruseln kann. Spannung geht anders.

 

(1 Sternchen)



#332 Armin

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Geschrieben 07 July 2019 - 06:54

Spider-Man: Far From Home

 

Was kommt nach dem großen Knall? Natürlich geht es weiter, nicht mit dem nächsten Paukenschlag, sondern erst einmal bescheiden, in kleinen Schritten. Ein Rezept, auf das die Marvel-Macher schon einmal erfolgreich gesetzt hatten, als sie dem pompösen „Age of Ultron“ den schnucklig-sympathischen „Ant-Man“ (2015) folgen ließen. So darf sich nun, nach dem Großreinemachen in „Avengers: Endgame“ vor wenigen Wochen, „Spider-Man“, die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft, in ein lustiges, romantisches, turbulentes High-School-Abenteuer stürzen – es geht auf Klassenfahrt nach Europa, weit weg von allen Superhelden-Problemen. Oder eben auch nicht.

 

Peter Parker (Tom Holland) tut sich nach dem sogenannten „Blip“, der vorübergehenden Auslöschung durch Thanos‘ Fingerschnippen, vor allem schwer, den Tod seines Mentors Tony Stark zu verkraften und sich der Verantwortung zu stellen, die jetzt auf ihm, als einem der überlebenden Superhelden, lastet. Er lässt den ehemaligen S.H.I.E.L.D.-Boss Nick Fury (Samuel L. Jackson), der ihn in einen Einsatz schicken möchte, abblitzen und schmiedet lieber Pläne, um seiner Klassenkameradin MJ (Zendaya) auf dem Pariser Eiffelturm seine Liebe zu gestehen. Doch Fury lässt nicht locker: Er braucht Spider-Man, der gemeinsam mit dem aus einer anderen Dimension stammenden Quentin Beck (Jake Gyllenhaal) erst ein Wasser-, dann ein Feuermonster bekämpfen soll. Mit dabei sind natürlich eine ganze Reihe alter Bekannter: Peters Tante May (Marisa Tomei), sein bester Freund Ned (Jacob Batalon) und Tony Starks ehemalige rechte Hand Happy Hogan (Jon Favreau).

 

Die anfangs noch harmlose Komödie mit vielen Stellen zum Schmunzeln, aber auch einigen Längen verwandelt sich in der zweiten Hälfte dann doch in einen Action-Kracher – als habe die Macher um Regisseur Jon Watts (auch schon für „Spider-Man: Homecoming“, 2017, verantwortlich) der Mut verlassen. Das Ergebnis ist zweischneidig: Einerseits tut das höhere Tempo dem Film gut und auch Spider-Man selbst kommt in seiner europäischen Tarnidentität „Nightmonkey“ nun besser zur Geltung, nachdem vorher der Schwerpunkt auf den Befindlichkeiten des Teenagers Peter, ohne Maske, lag. Spektakulär ist das Geschehen dann allemal, durch das Spiel mit der Realität aber auch ein wenig beliebig. Ein etwas handfesterer Bösewicht hätte „Spider-Man: Far From Home“ sicher gut getan, da hatte der erste Film nach Spideys Eingliederung ins „Marvel Cinematic Universe“ mit „Vulture“ einfach mehr zu bieten. So bleibt ein zwar guter, unterhaltsamer, oft lustiger Streifen und trotzdem der Eindruck, dass da mehr möglich gewesen wäre. Die beiden Abspannszenen deuten dann auch darauf hin, dass das noch nicht alles gewesen ist.

 

(6 Sternchen)



#333 Armin

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Geschrieben 08 September 2019 - 06:53

Es: Kapitel 2

 

„Eine gute Neuverfilmung“ lautete das Urteil an dieser Stelle über den ersten Teil von „Es“ (2017), den Regisseur Andrés Muschietti nach dem Horrorklassiker von Stephen King (1986) drehte. Jetzt folgt die zweite Hälfte und schließt fast nahtlos daran an. Muschiettis Idee, die beiden Zeitebenen des Romans auf zwei Filme zu verteilen, hat schon in Teil eins überraschend gut funktioniert und tut das auch jetzt. Zumal die jungen Versionen der Hauptpersonen dank einiger Rückblenden auch dieses Mal zu sehen sind, obwohl die Handlung nun 27 Jahre später angesiedelt ist.

Im Derry des Jahrs 2016 hat Clown Pennywise (Bill Skarsgård) seine tödliche Arbeit wieder aufgenommen. Mike Hanlon (Isaiah Mustafa), der als Einziger in der Heimat geblieben ist, erinnert seine alten Freunde um Bill Denbrough (James McAvoy) und Beverly Marsh (Jessica Chastain) an ihren Schwur aus Kindertagen: „Es“ muss endgültig zur Strecke gebracht werden.

Insgesamt ist auch das zweite Kapitel der Geschichte weitgehend gelungen, kann aber in einigen Punkten nicht ganz mit Teil eins mithalten: Schade ist, dass der Film trotz beinahe drei Stunden Länge der Einführung der nun erwachsenen Figuren vergleichsweise wenig Zeit widmet. Im Gegenzug wirkt es eher redundant, wenn sich ausnahmslos jedes Mitglied des „Clubs der Verlierer“ später seinen individuellen, mit der Vergangenheit verknüpften Traumata stellen muss – das ist, gerade weil die sich inhaltlich so ähnlichen Szenen kurz aufeinander folgen, nur in einem einzigen Fall richtig gruselig. Viel Potenzial wird zudem bei Bösewicht Henry Bowers verschenkt, von Teach Grant grandios durchgeknallt gespielt, der in seinen zu wenigen Szenen mehr Horror verbreitet als alle computeranimierten Schauergestalten zusammen. Für den ganzen Film gilt trotzdem: Die Atmosphäre ist angemessen düster, Pennywise diabolisch – das passt.

(6 Sternchen)



#334 Armin

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Geschrieben 25 September 2019 - 06:43

Ad Astra - Zu den Sternen

 

Filme wie „Gravity“ (2013) oder „Interstellar“ (2014) kommen einem in den Sinn: Faszinierende Weltraumszenen und emotionale Achterbahnfahrten ließen den Zuschauer staunen und mitfiebern. Auf ähnliche Zutaten setzt Regisseur James Gray (zuletzt „Die versunkene Stadt Z“, 2016) in „Ad Astra – Zu den Sternen“, allerdings in einer ganz speziellen Machart: Gray erzählt seine Geschichte in einer sehr unaufgeregten Atmosphäre und zudem in ungewöhnlich gemächlichem Tempo.

Major Roy McBride (Brad Pitt), ein erfahrener Astronaut, der durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist, wird von seinen Vorgesetzten auf eine Sondermission geschickt. Rätselhafte elektromagnetische Stürme haben auf der Erde mehrere Katastrophen ausgelöst. Deren Auslöser wird von den Wissenschaftlern in der Nähe des Planeten Neptun ausgemacht. Ausgerechnet dorthin ist das seit 16 Jahren als verschollen geltende Raumschiff des sogenannten „Lima-Projekts“ geflogen – Kommandant war ausgerechnet McBrides Vater Clifford (Tommy Lee Jones), der nach Spuren intelligenten Lebens suchen sollte. Nun wird vermutet, dass er noch leben könnte und mit den aktuellen Vorkommnissen in Verbindung steht. Sein Sohn Roy soll mit ihm Kontakt aufnehmen. Aus dem ursprünglichen Plan, eine Funkbotschaft zu schicken, wird dann aber eine längere Reise, die ihn über den Mond und den Mars schließlich tatsächlich in Richtung Neptun führt.

 

Trotz einiger, sogar prominent besetzter Nebenfiguren – Roys Frau Eve (Liv Tyler), die er zugunsten seiner beruflichen Ziele verlassen hat, sein kurzzeitiger Begleiter Colonel Pruitt (Donald Sutherland) oder Helen Lantos (Ruth Negga), Chefin der Mars-Basis – steht der von Brad Pitt überzeugend gespielte Roy McBride so sehr im Zentrum, dass man öfter den Eindruck eines Ein-Personen-Stücks hat. Das wird durch das extrem behäbige Voranschreiten der Handlung noch betont: Die Reise zum Mond, auf der praktisch nichts passiert, wird dank gelungener Einfälle und stimmiger Details alles andere als langweilig. Eine Verfolgungsjagd mit Mondmobilen kommt dank der niedrigen Gravitation bei aller Zerstörungswut fast schon schwerelos leichtfüßig daher. Das ist alles gut gemacht, intensiv und interessant zu verfolgen.

 

Ziemlich genau in der Mitte des Films verliert sich der Reiz dieser tempoarmen Erzählweise, dann wird das Geschehen eher schleppend, fast schon quälend, und es wäre dringend notwendig gewesen, doch einmal die Handbremse zu lösen. Ähnliches gilt für Brad Pitts Verkörperung der Hauptfigur: die düstere Emotionslosigkeit, der Gleichmut – das funktioniert lange sehr gut, überzeugt aber angesichts der Entwicklungen zum Ende hin samt der letztlich unbefriedigenden Aufarbeitung der komplizierten Vater-Sohn-Beziehung dann nicht mehr komplett. Apropos Ende: Das kann leider überhaupt nicht begeistern. Damit bleibt „Ad Astra“ in vielerlei Hinsicht sehenswert, wird in der zweiten Hälfte aber zusehends schwächer.

 

(5 Sternchen)


Bearbeitet von Armin, 25 September 2019 - 06:43.


#335 Armin

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Geschrieben 11 October 2019 - 18:45

Gemini Man

 

Ang Lee gilt als vielseitiger Filmemacher, der sich schon an so extrem unterschiedliche Stoffe wie den Jane-Austen-Klassiker „Sinn und Sinnlichkeit“ (1995) oder die Comic-Verfilmung „Hulk“ (2003) gewagt hat und gleich zweimal mit dem Oscar für die beste Regie ausgezeichnet wurde: für „Brokeback Mountain“ (2005) und „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“ (2012). Das macht Lust auf seinen Science-Fiction-Thriller „Gemini Man“ – das Ergebnis ist aber leider ziemlich ernüchternd.

 

Henry Brogan (Will Smith) ist als Auftragsmörder für eine geheime Regierungsorganisation deren bestes Pferd im Stall. Nachdem er den jüngsten Auftrag nach seinem eigenen Geschmack nicht souverän genug über die Bühne gebracht hat, beschließt er, die Flinte an den Nagel zu hängen. Doch davon will sein Chef Clay Verris (Clive Owen) nichts wissen: Er hetzt ihm seinen 25 Jahre jüngeren Klon auf den Hals. Brogan, seiner Agentenkollegin Danny (Mary Elizabeth Winstead), die ihn erst beschattet, dann unterstützt, und seinem alten Freund Baron (Benedict Wong) bleibt nur die Flucht.

 

Schon über die Optik lässt sich streiten: Der Film wurde mit 120 Bildern pro Sekunde (Kinostandard sind 24) gedreht, was zwar die Bildqualität verbessern soll, vieles aber auch eher künstlich als echt wirken lässt. Dazu passt die Technik, die in Will Smith’ jüngerem Ich steckt: Die Verjüngungskur ist zweifelsohne gelungen, richtig überzeugend kommt der geklonte Gegenspieler des Helden aber nicht daher. Kein glückliches Händchen beweist der Regisseur zudem bei den Actionszenen: Zu viele wurden aus nächster Nähe gefilmt und wirken deshalb sehr unübersichtlich.

 

Viel schlimmer als alle handwerklichen Details ist aber der eigentliche Inhalt: Das beginnt bei der Hauptfigur, die auch nach Mord Nummer 72 immer noch im festen Glauben handelt, nur die Bösen zu töten. Es setzt sich über die wirre Klon-Story fort: Eigentlich sollte es eine ganze Armee dieser Burschen geben, von jeglichen moralischen Skrupeln befreit. Ausgerechnet den Klon, der Brogan töten soll, hat Bösewicht Verris aber adoptiert und als seinen eigenen Sohn großgezogen, mit allen menschlichen Schwächen – die dann natürlich auch prompt zu Tage treten. Quälend pathetische bis sinnfreie Dialoge bremsen zudem immer wieder jeden Anflug von Spannung aus. Insgesamt ist „Gemini Man“ eine große Enttäuschung.

 

(2 Sternchen)



#336 Armin

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Geschrieben 14 October 2019 - 07:30

Joker

 

Jack Nicholson („Batman“, 1989), Heath Ledger („The Dark Knight“, 2008) und Jared Leto („Suicide Squad“, 2016) haben sich in der Vergangenheit auf der großen Leinwand am Joker versucht, dem irre-bösen Gegenspieler von Batman – drei ganz unterschiedliche, immer aber spannende Darbietungen einer Figur, in der ganz offensichtlich wesentlich mehr Facetten stecken, als sich in einem einzigen Film abbilden lassen, vom skrupellosen Kriminellen bis zum heillos Wahnsinnigen. Völlig unberührt davon schlägt Joaquin Phoenix in Todd Phillips‘ „Joker“ nun ein ganz neues Kapitel auf: weit weg von allen Superhelden, mehr Charakter- und vor allem Gesellschaftsstudie als Comic-Verfilmung.

 

Im Gotham der frühen achtziger Jahre ist Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) schon ziemlich weit unten, als für ihn die ganz persönliche Abwärtsspirale endgültig einsetzt: Er muss sich erst von Teenagern verprügeln lassen, verliert dann seinen Job als Clown, die für seine psychischen Probleme dringend benötigten Medikamente werden ihm ebenso gestrichen wie die ohnehin nicht zuhörende Sozialarbeiterin und auch seine Mutter Penny (Frances Conroy) trägt mehr als nur ein dunkles Geheimnis mit sich herum. Während in der Stadt die Müllabfuhr streikt, soziale Proteste und Gewalt zunehmen, erlebt Arthur, den seine Mutter widersinnigerweise „Happy“ nennt und der eigentlich Komiker werden möchte, die Kälte der Gesellschaft in Person zweier für ihn wichtiger Menschen: Murray Franklin (Robert De Niro), Moderator einer von Arthur verehrten TV-Show, und Thomas Wayne (Brett Cullen), der reichste Mann der Stadt und frühere Arbeitgeber von Penny Fleck, zeigen ihm auf ihre jeweils eigene Art und Weise, wie wenig er von dieser Welt zu erwarten hat.

 

Dieser Joker muss nicht wie einst Jack Nicholson in den Säuretank fallen, um komplett wahnsinnig zu werden. Die emotionale Kälte und gnadenlose Ablehnung, ob in seinem persönlichen Umfeld oder in einer zunehmend verrohenden Gesellschaft, reichen dafür völlig aus. Todd Phillips („War Dogs“) orientiert sich dabei ziemlich schamlos an zwei Filmen Martin Scorseses (beide passenderweise mit Robert De Niro in der Hauptrolle), „Taxi Driver“ (1976) und „The King of Comedy“ (1982), die er weit ausführlicher zitiert, als dass er sich im umfangreichen Batman-Kosmos bedienen würde (selbst für Bruce Wayne bleibt nur eine kleine Szene). Das lässt das Schicksal der Hauptfigur erschreckend realistisch wirken, lebensnaher als in der oft grellbunt überzeichneten Comic-Welt. Dabei begeht der Regisseur nicht den Fehler, Sympathie für seinen Joker wecken zu wollen, höchstens Verständnis dafür, wie sein Weg unweigerlich verlaufen muss. Des Jokers krankheitsbedingtes, irres Lachen überfällt ihn anfangs in den unpassendsten Situationen. Am Ende, nach einem düsteren, deprimierenden, intensiv-beklemmenden Niedergang, erscheint es als perfektes Statement seiner Verständnislosigkeit und Verzweiflung. Dem Zuschauer ist das Lachen da schon längst vergangen.

 

(7 Sternchen)

 

[eigentlich hat der Film hier überhaupt nichts zu suchen, da er zwar Figuren aus dem Batman-Kosmos verwendet, aber weder Science-Fiction- noch Superheldenfilm ist oder sein will]



#337 Armin

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Geschrieben 27 October 2019 - 16:28

Terminator: Dark Fate

 

Das einzig wirklich Schöne an „Terminator Genisys“ (2015): Die Handlung war dermaßen sinnfrei, dass sie sich sehr leicht ignorieren lässt. Vermissen wird diesen Teil der Geschichte garantiert niemand. Die Macher von „Dark Fate“, dem schon sechsten Terminator-Film, um Regisseur Tim Miller („Deadpool“) und Terminator-Urvater James Cameron, der Teile des Drehbuchs beigesteuert hat, gehen aber noch einen gewaltigen Schritt weiter: Sie blenden auch die Filme drei und vier aus und schließen direkt an den damals noch von Cameron verantworteten „Tag der Abrechnung“ (1991) an – dessen Klasse erreicht „Dark Fate“ aber leider nicht.

 

Es kommt einem hinreichend bekannt vor: Zwei Besucher aus der Zukunft machen sich im Jahr 2020 auf die Suche nach der Fabrikarbeiterin Dani Ramos (Natalia Reyes). Das Terminator-Modell Rev-9 (Gabriel Luna) will sie töten, die technisch aufgerüstete, aber menschliche Soldatin Grace (Mackenzie Davis) soll sie beschützen. Die Auseinandersetzung hinterlässt eine Spur der Zerstörung und lockt eine alte Bekannte an: Sarah Connor (Linda Hamilton), die zwar dereinst den „Tag der Abrechnung“ verhindert hat, aber seit dem Tod ihres Sohns komplett auf Rache-Modus geschaltet hat. Ausgerechnet dessen Mörder, ein alter T-800 (Arnold Schwarzenegger), soll dann aber eine wichtige Rolle beim Versuch spielen, Danis Leben zu retten.

 

Eine neue Geschichte? Leider Fehlanzeige. Der ewige Kampf zwischen Mensch und Maschine wird praktisch deckungsgleich mit dem allerersten „Terminator“-Film (1984) mit neuen Figuren noch einmal erzählt – das ist wenig originell und irgendwie überflüssig, erspart dem Zuschauer aber immerhin wirre Verwicklungen, wie sie „Genisys“ produziert hat. Die Action-Szenen entschädigen ein wenig, auch wenn einen hier gleichfalls das Gefühl beschleicht, vieles schon einmal gesehen zu haben. Dass wenigstens das neue Terminator-Modell ein paar schicke Weiterentwicklungen aufweist, ist dann aber doch ein dankbar aufgenommenes Plus.

 

Dafür sorgt aufseiten der Darsteller eindeutig Arnold Schwarzenegger, der seine Paraderolle auch sichtlich gealtert und mit Vollbart hervorragend meistert – herrlich sein Griff zur Sonnenbrille, die er dann aber doch liegen lässt. Während unter den neuen Akteuren noch am ehesten Mackenzie Davis („Blade Runner 2049“) überzeugt, ist Linda Hamiltons Rückkehr nur bedingt geglückt: gut, wenn sie grimmig entschlossen sein darf, aber fast schon peinlich, wenn sich ihre Sarah Connor an Humor versucht. Dafür ist auch diesmal der T-800 zuständig. Der rettet den Streifen aufs Niveau eines soliden Action-Films, mehr aber auch nicht.

 

(5 Sternchen)



#338 Armin

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Geschrieben 14 November 2019 - 22:08

Zombieland: Doppelt hält besser

 

Die aberwitzige Zombie-Komödie „Zombieland“ war 2009 ein Überraschungserfolg an den Kinokassen. Eine Fortsetzung war zwar lange im Gespräch, wollte aber – mit Ausnahme des Pilotfilms (2013) für eine dann allerdings nicht realisierte Fernsehserie – einfach nicht zustande kommen. Nach zehn Jahren ist es nun aber doch so weit, Ruben Fleischer (zuletzt „Venom“, 2018) führt erneut Regie und auch das Hauptdarsteller-Quartett ist komplett wieder versammelt.

 

Während sich fast alle Menschen in Zombies verwandelt haben, lassen es sich die nicht vom Virus infizierten Columbus (Jesse Eisenberg), Tallahassee (Woody Harrelson), Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail Breslin) im Weißen Haus gut gehen. Bis Little Rock den Gitarre spielenden Hippie Berkeley (Avan Jogia) kennenlernt und mit ihm das Weite sucht. Ihre Schwester Wichita braucht nur einen ungeschickten Heiratsantrag von Columbus, um sich ebenfalls zu verabschieden und ihn zu verlassen. Trost spendet ihm die nicht allzu helle Blondine Madison (Zoey Deutch). Auf der bald folgenden Suche nach Little Rock stößt die Truppe unter anderem auf die unerschrockene Nevada (Rosario Dawson), aber auch auf wesentlich robustere Zombies, als sie es bislang gewohnt waren.

 

Kritiker werden sich bestätigt sehen: Eigentlich war mit dem ersten Film schon alles gesagt, neue Aspekte werden der Geschichte in der Fortsetzung keineswegs hinzugefügt, auch die Gags erfinden das Rad nicht neu, originell ist hier praktisch nichts. Aber: Wer „Zombieland“ mochte, wird bei „Doppelt hält besser“ trotzdem das Grinsen nicht aus dem Gesicht bekommen. Der Film ist nicht einmal im Ansatz gruselig, höchstens gelegentlich etwas unappetitlich, aber vor allem eben richtig komisch. Dazu trägt das kongeniale Duo Eisenberg/Harrelson den größten Teil bei, das sich die Bälle permanent gegenseitig zuspielt. Die Damen werden vom Drehbuch leider deutlich stiefmütterlicher behandelt, nur die neu hinzugestoßene Zoey Deutch darf die mit vielen, vielen Klischees beladene Rolle des blonden Dummerchens herrlich auskosten.

 

Analog zum ersten Film dienen auch dieses Mal wieder Columbus’ Regeln, dank derer er die Zombie-Apokalypse überhaupt überlebt hat, als Leitplanken der Geschichte und werden immer mal wieder amüsant eingebaut, was weitere Lacher garantiert. Schließlich ist ja auch der Titel der Fortsetzung diesen Regeln entlehnt: Doppelt auf die Zombies zu schießen, sorgt auf jeden Fall fürs gewünschte Ergebnis. Und zwei Filme sind nicht nur für Nostalgiker besser als einer.

 

(7 Sternchen)





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