Zitat
Kennt übrigens jemand das Amber-Prequel von John Gregory Betancourt? Und, falls ja: Lohnt sich das?
Naja, Armin - was war faszinierend an Zelaznys Amber? Die Idee? Die war zwar klasse, aber sowas trägt eben nicht über 1200 Seiten. Die Charaktere? Der Plot an sich? Oder die Schreibe, das "Erzählen"?
Imho war es Zelaznys Erzähltalent, das die ersten zweieinhalb Bände des Amber-Zyklus zu wirklich tollen Büchern gemacht hat (in Band eins gibt es einen Dialog zwischen dem noch an Amnesie leidenden Corwin und - wenn mich meine Erinnerung nicht trügt - einer seiner Schwestern - hey, das hat mich damals fast umgehauen ...); ab Mitte des dritten Bandes neigte sich die Kurve dann (alles imho natürlich

) allmählich langsam nach unten, bis wir am Ende von Band fünf angekommen sind.
Die Bände 6-10 hat Zelazny meiner Meinung nach nur noch geschrieben, weil er dringend Geld brauchte. Inhaltlich bringen sie kaum Neues & von der stilistischen und erzählerischen Brillanz des Mannes, der uns Dinge wie "The Doors of his Face...", "A Rose for Ecclesiastes", "He Who Shapes", "Lord of Light", "Home is the Hangman" und eben auch "Nine Princes in Amber" beschert hat, ist leider nicht mehr viel zu spüren.
Langer Rede kurzer Sinn: John Gregory Betancourt ist mir bisher nicht als Stilist oder außergewöhnlicher Erzähler aufgefallen (sein "The Blind Archer" war ok, hat aber bei mir keinerlei erinnernswerte Spuren hinterlassen), und daher habe ich große Zweifel, dass der Mann in die Schuhe passt, die er da anzieht.
Vielleicht probier ich's mal aus - aber ich möchte mir meine angenehmen Erinnerungen an Zelaznys Amber (das Amber der Bände 1-5) ohne Not eigentlich nicht beschädigen.
Gerd
Sudden moroseness. One hop too far.